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Weitere Experimente in Guild Wars-GvG

In einem der vorigen Artikel habe ich über das aktuelle Guild Wars-Turniersystem geschrieben und die Unterschiede zwischen Einzelausscheidungen und Schweizer Turnieren mit vorgegebenen Karten erläutert. Außerdem habe ich die Berechnung des prozentualen Kampf/Sieg-Verhältnisses zur Stichentscheidung erläutert, das im Lauf der Herbst-Ranglisten-Saison-Play-Offs ausprobiert wurde.

Diesmal möchte ich weitere Änderungen der Turnierregeln erläutern, die wir in der aktuellen Winter-Ranglisten-Saison 2006 auf die Probe stellen, zum Beispiel die gestaffelte Preisverteilung, eine größere Teilnehmerzahl und noch einige andere Änderungen.

Zunächst möchte ich jedoch eine Frage zum letzten Artikel beantworten.

Xavier hat mir geschrieben und wollte wissen, was es mit dem im Zusammenhang mit dem Schweizer Punktesystem erwähnten einen Punkt für ein Unentschieden auf sich habe und wie das bei GvG möglich sei, wo wir doch gesagt hätten, dass Spiele, die nach Ablauf des Zeitlimits noch nicht zu Ende sind, als Niederlage für beide Teams gewertet würden.

Das ist eine gute Frage, Xavier! Tatsächlich ist es im aktuellen GvG-System möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass es zu einem Unentschieden kommt. Wenn beide Gildenherren kurz nacheinander (innerhalb von Sekunden) getötet werden, wird die Nachricht “Keine Gruppe hat gewonnen” angezeigt. In einem Play-Off-Turnier würde das als Unentschieden gelten und deshalb erhalten beide Teams je einen Punkt. Zwar kommt das nur selten vor, ist aber schon passiert.

Außerdem vergeben wir drei Punkte für einen Sieg. Warum? Durch die Einführung eines Systems mit 3 Punkten für einen Sieg können wir künftig in Betracht ziehen, 2 Punkte für Teilsiege oder 1 Punkt für ein Unentschieden vergeben. Zum Beispiel könnte ein Teilsieg so aussehen, dass ihn jeweils das Team erringt, das beim Ablauf des vorgegebenen Zeitlimits vorn lag.

Immerhin ist es besser, künftig vielleicht notwendige Dinge schon jetzt mit einzuplanen, anstatt dauernd das System zu ändern. Und jetzt zu den neuen Regeln, die wir testen wollen.

Größere Anzahl teilnehmender Gilden

Einer der Vorteile bei einem Online-Turnier ist es, dass wir nicht wie bei einem Live-Event jedem Teilnehmer einen eigenen Computer zur Verfügung stellen müssen. Da jeder Spieler bereits über einen eigenen Computer verfügt, müssen wir in Hinblick auf Zeit und Platz pro Teilnehmer auch keine grundsätzlichen Beschränkungen festlegen.

Warum also sollten nicht mehr Gilden an Play-Off-Turnieren teilnehmen dürfen?

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, enthält das aktuelle Ranglisten-System ein paar Schwachpunkte, während das eigentliche Turnierspiel den beteiligten Gilden ausgiebige Möglichkeiten bietet, Builds und das Spiel zu testen. Wir möchten gern, dass möglichst viele Spieler diese Chance bekommen. Mit dem aktuellen System können wir bis zu 32 Gilden berücksichtigen und deshalb möchten wir jetzt ausprobieren, ob es tatsächlich möglich ist, so viele Gilden gleichzeitig an einem Wettbewerb teilnehmen zu lassen.

Gestaffelte Preise

Wir haben nach den Herbst-Ranglisten-Play-Offs fast durchweg positive Resonanz erhalten. Das Schweizer Spiel kam bei allen gut an und es wurde begrüßt, dass man gegen mehrere Gegner anstatt nur gegen einen antreten konnte, wie es im vorher verwendeten Einzelausscheidungssystem der Fall gewesen war.

Dennoch schrieben uns ein paar Spieler und merkten an: Würde ihre Gilde in der ersten oder zweiten Runde verlieren, gäbe es keinen großen Anreiz mehr, sich in den folgenden Runden weiterhin anzustrengen, denn eigentlich sei ja schon klar, dass ein Weiterkommen nicht mehr möglich wäre. Deshalb gibt es jetzt gestaffelte Preise.

Wenn Ihr Euch die Preisübersicht in den Wintersaison-Regeln anseht, werdet Ihr feststellen: Nicht nur die Gilden bekommen Preispakete, die es bis in die Einzelausscheidungsendkämpfe geschafft haben, sondern auch Gilden auf den Plätzen 9 bis 32 werden mit eigenen Preisen belohnt.

Ihr erinnert euch: Beim Schweizer Spiel soll unter anderem erreicht werden, dass in jedem einzelnen Kampf nur das wahre Können getestet wird, indem Gilden gegen Gegner mit ähnlichen Resultaten antreten. In diesem System gibt es für eine Gilde selbst dann noch Anreiz zur Anstrengung, wenn sie vorher in vier Runden verloren hat. Wenn sie nämlich den fünften Kampf gewinnt, hat sie immer noch die Chance auf einen besseren Preis.

Kein Ranglistenvorteil beim Schweizer Spiel

In einer anderen Frage ging es darum, wie es sich beim Schweizer Spiel im Vergleich mit der Einzelausscheidung mit Spielpaarungsvorteilen verhält.

Bei der Einzelausscheidung tritt die beste Gilde gegen den letzten Teilnehmer in der Rangliste an, die zweitbeste gegen den Vorletzten und so weiter. Das wird in erster Linie so gehandhabt, damit höherrangige Gilden eine bessere Chance haben, es bis in die Endkämpfe zu schaffen. Damit sollen sie für gute Leistungen während der gesamten Saison belohnt werden. Dieses Prinzip ist insbesondere angemessen, wenn die Platzierung selbst hart erkämpft wurde.

Nun ist zwar auf dem Boden des aktuellen Gilden-Ranglistensystem eine einigermaßen gerechte Einstufung möglich, aber im Detail ist die Bewertung nicht so genau. Da sich die Mitgliederlisten der einzelnen Gilden ständig ändern, kann die aktuelle Platzierung einer Gilde außerhalb eines Turniers nur sehr oberflächlich mit der anderer Gilden verglichen werden.

Im Schweizer Spiel geben wir jetzt zwar den teilnehmenden Gilden in der ersten Runde denselben Spielpaarungsvorteil, aber nach dieser Runde spielt er keine Rolle mehr. Jetzt nämlich werden die Paarungen der Gilden anhand der Ergebnisse und Stichentscheidungen im aktuellen Turnier angesetzt.

Wie gesagt: Es ist Sinn und Zweck des Schweizer Spiels, sämtliche Gilden mit Gegnern gleicher Stärke zusammenzubringen, sodass in sämtlichen Kämpfen allein das Können entscheidet. Dadurch soll zum Einen erreicht werden, dass die Teilnehmer mehr Spaß am Wettkampf haben. Zum Anderen soll eine abschließende Rangliste entstehen, die allen gerecht wird.

Wenn zu den Einzelausscheidungen im Viertelfinale umgeschwenkt wird, werden die acht verbleibenden Gilden nach demselben System miteinander gepaart. Höher platzierte Gilden genießen den leichten Vorteil, dass sie gegen niedriger eingestufte Wettbewerber antreten.

Nach Ende der fünf Runden im Schweizer Spiel werden zum Abschluss des Wintersaison-Turniers die verbleibenden acht Gilden wie folgt gepaart:

  • 1. in der Wertung gegen 8. in der Wertung
  • 2. in der Wertung gegen 7. in der Wertung
  • 3. in der Wertung gegen 6. in der Wertung
  • 4. in der Wertung gegen 5. in der Wertung

Dadurch haben die erst- und die zweitplatzierte Gilde (entsprechend ihrer Turnierergebnisse, NICHT der Ranglistenplatzierung) jeweils einen kleinen Vorteil, die Gilden auf dem 7. und dem 8. Platz einen kleinen Nachteil. Die Gilden auf dem 3. bis 6. Platz dagegen treten gegen Gegner ähnlicher Spielstärke an.

Stichentscheidungen

Zum Abschluss möchte ich kurz noch ein bisschen ausführlicher auf Stichentscheidungen eingehen. Nach fünf Runden Schweizer Spiel in den Play-Offs kann es selbst dann zum Gleichstand zwischen Gilden kommen, wenn das Kampf/Sieg-Verhältnis der Gegner ermittelt worden ist. Das liegt daran, dass das System am besten funktioniert, wenn alle Matches über je zwei Gewinnsätze gehen. Dann nämlich funktionieren das prozentuale Kampf/Sieg-Verhältnis und das prozentuale Kampf/Sieg-Verhältnis des Gegners als zusätzliche Entscheidungskriterien.

Da wir im Schweizer Spiel unmöglich in fünf Runden Matches mit je zwei Gewinnsätzen spielen lassen können (das würde vermutlich ungefähr 13–15 Stunden dauern), ziehen wir die letzte Ranglistenwertung der Gilden als zweites Entscheidungskriterium hinzu, aber nur, wenn unbedingt nötig.

Daher spielt der Rang, den die einzelnen Gilden in der Saison-Rangliste erzielt haben, auch im aktuellen Turnier eine gewisse Rolle, denn er beeinflusst die Paarungen der ersten Runde UND dient notfalls als zweites Entscheidungskriterium.

Ich hoffe, dass gibt euch einen guten Eindruck von den Regelsystemen, die wir in der aktuellen Wintersaison testen.

Wir versuchen ständig, Guild Wars an die Spitze kompetitiver E-Sportspiele zu bringen und sind für all eure Ideen und Vorschläge dankbar. Bitte richtet eure Anmerkungen an .

Michael Gills
ArenaNet-Turnierleitung