Status des Spiels – 9. Oktober 2006
Beobachtermodus 101
Von Christian Brellisford
Das User-Interface im Beobachtermodus
Wolltet ihr nicht schon immer wissen, wie es die Spitzengilden schaffen, sich im Streben um Preise und Prestige in der Rangliste nach oben zu arbeiten? Wenn dem so ist, solltet ihr einmal den Beobachtermodus ausprobieren, eine äußerst informative und unterhaltsame Option aus dem Universum von Guild Wars.
Mit dem Beobachtermodus können sich Guild Wars-Spieler die Gilde-gegen-Gilde-Kämpfe (GvG) der besten 100 Gilden ansehen. Ihr erhaltet dadurch die Möglichkeit, die Builds anderer Teams im Einsatz zu erleben und mehr über kompetitive Taktiken zu lernen.
Im Folgenden findet ihr einige Tipps für das User Interface des Beobachtermodus für Guild Wars-GvG-Matches:
- Mit der Option Autom. Kamera bewegt sich die Kamera langsam in Richtung der Ziele, die in den Hauptkampf verwickelt sind. Diese Option eignet sich am besten für Spieler, die beim Zuschauen gerne die Hände frei haben, aber hat auch ihre Grenzen, was die Kontrolle über das dargestellte Spielgeschehen angeht. Die automatische Kamera ist standardmäßig aktiviert und das Spiel setzt die Kameraoption jedes Mal auf diese Standardeinstellung zurück, wenn ihr zu einem anderen Match umschaltet.
- Auch die Punktetabelle ist im Beobachtermodus verfügbar. Drückt die Taste “O”, um euch den Moral- und Lebenspunktestand beider Teams anzusehen.
- Ihr könnt außerdem mehrere Gruppenfenster gleichzeitig geöffnet haben - eines für jede Gruppe. Drückt auf die Taste “P” und klickt dann auf das Symbol oben am Fenster, um ein weiteres zu öffnen. Klickt auf das Symbol oben am Gruppenfenster, um zwischen den verschiedenen Seiten hin- und herzuschalten. Ihr könnt diese Option im Aufstieg der Helden benutzen, um mehr als nur ein Team im Auge zu behalten.
- Wenn ihr auf einen Spieler klickt, bewegt sich die Kamera zu diesem Spieler hin. Ihr könnt dann sehen, welche Fertigkeiten sie verwenden. Es ist allerdings nicht direkt möglich, zu sehen, welches Ziel sie anvisieren. Auch ihre Energie-, Rüstungs- und Lebenspunkte sowie ihr Inventar bleiben verborgen.
- Auch die ‘U-Karte’ funktioniert im Beobachtermodus und zeigt euch zusätzliche Punkte an, an denen ihr eure Kamera positionieren könnt. Das Heran- oder Wegzoomen könnt ihr einfach mit dem Mausrad steuern. Wenn ihr über den Aufenthaltsort beider Teams Bescheid wisst, verpasst ihr weder Flaggenläufe noch Split-Strategien.
Der Beobachtermodus als Lernhilfe
Eine der Stärken des Beobachtermodus ist die Möglichkeit, zu sehen, welche Fertigkeiten Spieler verwenden. Wenn ihr einen Spieler angewählt habt und dieser Spieler während des Matchs eine Fertigkeit einsetzt, wird diese im HUD (Heads Up Display) des Beobachtermodus angezeigt. Wenn ihr etwas Zeit damit verbringt, euch durch die Spieler durchzuschalten, seht ihr, welche Builds die Spitzenteams einsetzen.
Wie euch allerdings jeder Spitzenspieler auch erzählen wird, sind Builds im GvG noch lange nicht alles. Die individuelle Stärke und die Art und Weise, wie Spieler die Fertigkeiten ihrer Charaktere als Teil einer Gesamtstrategie einsetzen, sind die wichtigsten Elemente des kompetitiven Spiels in Guild Wars. Es reicht nicht aus, einfach nur die Builds der Spitzenteams zu kopieren und darauf zu warten, dass dann alles wie von selbst läuft. Die Besten der Besten haben die Erfahrung aus hunderten von Spielen vorzuweisen und können aufgrund dieser Erfahrung auch einige Asse aus dem Ärmel ziehen zaubern. Achtet darauf, wenn ihr Gilden zuseht, die scheinbar einfache Builds spielen.
Ihr könnt aber auf jeden Fall durch das Beobachten von Spitzengilden lernen.
Um das meiste aus dem Beobachtermodus herauszuholen, solltet ihr zunächst feststellen, welche Art Build der Charakter verwendet, den ihr beobachtet. Sobald ihr die Build identifiziert habt wird es euch möglich sein, zu verstehen, wie der Spieler seine Fertigkeiten einsetzt. Spitzenteams setzten ihre Fertigkeiten äußerst effizient ein und machen dabei kaum Fehler. Es reicht also nicht aus, nur zu wissen, was sie spielen - ihr müsst außerdem verstehen wie sie spielen.
Es ist im Beobachtermodus gegenwärtig nicht möglich, zu sehen, welches Ziel ein Spieler erfasst hat. Ihr könnt dies aber mithilfe der Grafik dennoch erraten. Wenn ein Mesmer gerade Energiewelle gegen ein Ziel eingesetzt hat, könnt ihr euch im Gruppenfenster die Lebenspunktebalken der feindlichen Gruppe ansehen und dort nachsehen, wessen Werte gerade gefallen sind. Ihr könnt natürlich auch in der Wirkreichweite des Mesmers nach der Animation von Energiewelle suchen, um zu erfahren, auf welches Ziel er gerade gewirkt hat. Leben einflößen ist eine weitere, leicht zu erkennende Fertigkeit. Wenn ihr merkt, dass jemand durch einen Spike eine große Menge Schaden genommen hat, aber sich beinahe mit sofortiger Wirkung davon erholt, während einer der Mönche gerade die Hälfte seiner Lebenspunkte verloren hat, dann habt ihr mit sehr großer Wahrscheinlichkeit euren “Einflößer” gefunden.
Im kompetitiven Element von Guild Wars geht nichts über Erfahrung. Wenn ihr euch auch nicht selbst aktiv am PvP beteiligt, könnt ihr mit dem Beobachtermodus eure eigene Erfahrung in einen größeren Zusammenhang einordnen und euch dadurch ein tieferes Verständnis des Spiels aneignen.
Klassenspezifische Beobachtertipps
Mönch – Mönche sind mit Sicherheit eine der aufregendsten Guild Wars-Klassen, da ihr euch ständig konzentrieren müsst, um euch selbst und anderen mit euren Fertigkeiten zu helfen. Achtet beim Beobachten von Mönchen genau darauf, wie sie ihre Fertigkeiten timen. Warten sie zum Beispiel gerade auf einen Spike, um Leben einflößen zu wirken? Oder sind sie wiederum dynamischer und heilen ihr Team nach dem Vorbild eines Segensschützers?
Seht euch außerdem an, wie sie ihre Energie verwalten. Auch wenn ihr euch ihren Energiestand nicht direkt ansehen könnt, erfahrt ihr einiges darüber, wenn ihr euch den Aufbau ihrer Builds anseht und beobachtet, wie sie ihre Fertigkeiten einsetzen. Handelt es sich zum Beispiel um einen Sekundärklassen-Mesmer mit Inspirierte Verhexung oder verlässt sich der Spieler auf Siegel der Heilung, wenn sein Energiestand niedrig ist? Behaltet auch die Gruppenfenster im Auge, damit ihr sehen könnt, wann Fertigkeiten wie Schutzgeist oder Gesegnetes Licht gewirkt werden. Zu guter Letzt sei noch angemerkt, dass Mönche für ein Team dermaßen wichtig sind, dass Teams kontinuierlich versuchen, sie am Leben zu erhalten - zu diesem Zweck ist auch das Weglaufen vor Gegnern ein legitimes Mittel. Jeder, der mit dem Gedanken spielt, einen Wirker zu spielen, kann eine Menge lernen, wenn er den Spitzen-Mönchen beim Spielen zusieht und beobachtet, wie sie sich positionieren, um am Leben zu bleiben.
Mesmer – Im aktuellen Metaspiel liegt der Schwerpunkt der Mesmer in der Domination. Mesmer setzen oftmals Fertigkeiten wie Energiewelle, Blackout und Ablenkung ein. Die Mesmer-Spitzenspieler sind außerdem einige der effizientesten Wirker des Spiels. Sie setzten Blackout gegen Krieger oder Mönche ein oder halten den Energiestand eines Ziels mit Energiewelle auf niedrigem Niveau, um zusätzlichen Druck auszuüben. Das Timing von Ablenkung kann in kompetitiven Spielen auf hohem Niveau über Sieg oder Niederlage entscheiden, besonders in engen Matches mit offenem Ausgang. Diese Spieler überwachen das Schlachtfeld, um Schlüsselziele wie Peinigungsmönche oder andere Mesmer zu identifizieren und sie auszuschalten. Gute Mesmer sind schwer zu finden, und den Fertigkeitsbalken von Spitzenspielern zu kopieren ist nur ein kleiner Schritt, um zu einem solchen zu werden.
Krieger – Die Fertigkeitsbalken von Kriegern nehmen die verschiedensten Formen an. Egal ob Axt, Schwert oder Hammer ... ein Krieger hat für die verschiedensten Teams das richtige Werkzeug parat. Wenn ihr Krieger beobachtet, solltet ihr versuchen, ihre Fertigkeiten zu identifizieren, und zu verstehen, wie sie sich in die Gesamt-Build einfügen. Vor allem solltet ihr aber beobachten, welche Art von Ziel sie bevorzugt angreifen. Gute Krieger konzentrieren sich auf verschiedene Ziele und wechseln diese oftmals, um Gegner mit schwacher Rüstung oder niedrigem Lebenspunktestand auszuschalten. Es ist auch auffallend, wie schnell sie sich einem anderen Ziel zuwenden, wenn ihr aktuelles Ziel geheilt oder verzaubert wird. Wenn sich ihnen eine gute Gelegenheit bietet, stürzen sie sich blitzschnell auf ein neues Ziel. Seht euch außerdem an, wie gute Krieger Raserei einsetzen und dann eine andere Haltung aktivieren, um den Effekt auszusetzen, sobald sie Schaden nehmen. Krieger verwenden auch oftmals defensive Selbstheilungs-Fertigkeiten wie Siegel der Heilung. Damit helfen sie Mönchen, Energie für andere Aufgaben zu sparen und stellen sicher, dass sie sich selbst helfen können, wenn gerade kein Mönch zur Stelle ist.
Waldläufer – Ein gutes Stellungsspiel ist das A und O im Leben eines PvP-Waldläufers. Seht euch an, wie die besten Teams ihre Waldläufer positionieren, um es dem Feind zu erschweren, sie als Ziel zu erfassen. Konzentriert euch außerdem darauf, wie sie eventuelle Höhenunterschiede ausnutzen. Es ist außerdem sehr hilfreich, zu verstehen, mit welcher Art von Waldläufer ihr es zu tun habt. Handelt es sich beispielsweise um einen Waldläufer, der Melandrus Pfeile benutzt oder einen Störungs-Waldläufer, der mit mehreren Unterbrechungen ausgerüstet ist? Spitzenteams setzen Waldläufer oftmals ein, um sich mit einer kleineren Gruppe abzusetzen, oder gar Alleingänge zu starten. Wenn ihr eine solche Taktik bemerkt, solltet ihr euch beobachten, wie ein einzelner Waldläufer mehrere Gegner mit Fallen wie Verkrüppelungs-Schuss “kiten” kann. In solchen Fällen empfiehlt es sich außerdem, zu darauf zu achten, wie sich ein solcher Waldläufer selbst am Leben hält. Waldläufern stehen beispielsweise Fertigkeiten wie Trollsalbe, Verzerrung und zahlreiche Haltungen zur Verfügung, mit denen sie ihre Mobilität und damit auch ihre Überlebenschancen steigern können.
Elementarmagier – Im aktuellen Metaspiel nehmen Elementarmagier vor allem unterstützende Rollen ein. Dabei setzen sie oftmals Wasserschlingen und defensive Fertigkeiten wie Blitzblendung und Gruppe heilen ein. Wenn ihr solche Charaktere beobachtet, solltet ihr euch ansehen, auf welche Gegner sie wirken und wann sie ihre Fertigkeiten einsetzen. Viele Elementarmagier wirken Blitzblendung, sobald sich ein Kriegertrupp auf einen Verbündeten zu bewegt. Jeder, der einen GvG-Elementarmagier spielt, sollte auf die Positionierung der unterstützenden Wirker der Spitzenteams achten. Elementarmagier vermitteln oftmals den Eindruck, dass sie zu weit entfernt sind, um das Spiel zu beeinflussen, doch solltet ihr nicht vergessen, dass sie ihre Gruppe auch auf große Distanz heilen können. Spitzenteams setzen Wasserschlingen außerdem ein, um den Gegner daran zu hindern, eine Split-Strategie zu spielen.
Nekromant – Viele der aktuellen Nekromanten-Builds des Metaspiels konzentrieren sich entweder auf Spikes oder auf die Fertigkeit Verdorbenes Fleisch. Wenn ihr Spike-Teams beim Spielen zuseht, solltet ihr darauf achten, wie sie ihren Schaden-Output koordinieren, indem sie bestimmte Fertigkeiten zu bestimmten Zeiten einsetzen. Es kann sich außerdem lohnen, zu untersuchen, wie ein Spike-Team mit Split-Strategieen umgeht - und umgekehrt. Nekromanten mit Verdorbenes Fleisch behalten häufig das Gruppenfenster im Auge, um sofort Bescheid zu wissen, wenn Gruppenmitglieder vergiftet werden. Außerdem wirken sie diese Verstärkungen oftmals auch auf Tiergefährten oder andere Verbündete.
Unendliche Lernmöglichkeiten
Der Beobachtermodus steht euch ständig zur Verfügung und überträgt euch die Top 100 der GvG-Matches 15 Minuten nach Matchbeginn. Selbst wenn ihr bereits PvP-Erfahrung gesammelt habt könnt ihr noch immer aus dem Beobachtermodus lernen. Es kann nie schaden, zu wissen, was eure Gegner auf Lager haben, um keine böse Überraschung erleben zu müssen.
Christian Brellisford ist College-Student und studiert derzeit in Toronto (Ontario, Kanada) Videospiel-Design. Nach seinem Studium möchte er einen Beruf in diesem Bereich ergreifen. Christian spielt schon seit jungen Jahren und beschäftigt sich seit dem “E3 for Everyone"-Event 2004 mit Guild Wars. Zurzeit führt er die Gilde “Spirits of War” an. Im Spiel findet ihr ihn unter dem Namen Saidin Writer.





















