Status des Spiels - 2. Januar 2007 - GvG-Rangliste: alt und neu
Von Christian Brellisford
Überarbeitung der GvG-Rangliste
Wie ihr wahrscheinlich bereits wisst, steht dem gesamten GvG-Ranglistensystem demnächst eine große Überarbeitung bevor, durch die das System modernisiert und die Bedeutung des freien Spiels abnehmen wird. Mit der überarbeiteten Rangliste wird größerer Wert auf beständige Leistungen über einen längeren Zeitraum gelegt werden, wodurch starke Platzierungsschwankungen über kürzere Zeiträume wegfallen werden. Gilden werden zwar immer noch die Möglichkeit haben, im freien Spielmodus ELO-Punkte zu sammeln, doch diese Punkte werden im Vergleich zu den Punkten aus den täglich abgehaltenen Qualifikationsturnieren sowie den monatlichen und jährlichen Meisterschaften weitaus weniger Gewicht haben. Eine Folge dieser neuen Punkte-Gewichtung ist, dass einige der bisher üblichen Methoden zum Aufsteigen in der Rangliste nicht mehr so gut funktionieren werden wie bisher. Andere Methoden werden hingegen weiterhin große Relevanz haben.
Ziele
Wenn ihr euer Können verbessern möchtet, solltet ihr meiner Meinung nach zunächst wissen, wo ihr (bzw. eure Gilde) gegenwärtig steht und euch dann entscheiden, wo ihr euch aufgrund eurer vergangenen Leistung befinden solltet. Seid ihr zum Beispiel eine sehr kompetitive Gilde mit großen Erfolgsaussichten? Oder habt ihr einfach nur Spaß am Spiel? Besitzt ihr ein gutes Verständnis des Spiels und fähige Spieler, aber schafft es einfach nicht, in die Top-100 zu kommen? Wollt ihr euch für Turniere qualifizieren und eines Tages an einer der jährlich abgehaltenen Meisterschaften teilnehmen? Wenn ihr euch solche Fragen stellt, wird es euch leichter fallen, euch und eurer Gruppe realistische Ziele zu setzen.
Wenn ihr eine Gruppe von Freunden seid, die gerne und gut zusammen spielt und gerne auch ungewöhnliche oder Spaß-Builds ausprobiert, werdet ihr eure Builds unter Umständen etwas ernster nehmen müssen, um in der GvG-Rangliste weiter nach oben zu kommen. Vielleicht habt ihr ja auch großes Potenzial aber wechselt eure Builds so oft, dass ihr es einfach nicht schafft, zum Siegen notwendige Automatismen aufzubauen. Um im PvP besser zu werden, müsst ihr hart arbeiten und schon einiges an Zeit aufbringen. Deshalb ist es nötig, dass ihr eure Ziele ehrlich und klar definiert, um euer Team zum Erreichen eines besseren Ranglistenplatzes motivieren zu können.
Euer nächstes Ziel sollte darin bestehen, häufiger zu spielen. Viele Gilden, die es (noch) nicht in die Top-100 geschafft haben, könnten dieses Ziel erreichen, wenn sie es nur klar formulierten und häufiger spielten, um eine größere Erfahrung und Routine aufzubauen. Je mehr Matches ihr bestreitet, desto weniger Gewicht haben Siege und Niederlagen auf euren Ranglistenplatz. Wenn ihr genug Matches bestreitet solltet ihr ein relativ ausgeglichenes Punkteverhältnis haben und hoffentlich einen höheren Ranglistenplatz als zuvor erreichen.
Mechanismen der GvG-Rangliste
Für den Verlauf einer Saison ist es extrem wichtig, zu wissen, wie die Rangliste funktioniert. Die vorherige Rangliste belohnte Gilden, die so viele Spiele wie nur möglich bestritten. Gilden, die sich dieser Tatsache bewusst waren, konnten dieses Wissen ausnutzen, um es in die Top-100 zu schaffen. Manche Gilden gelangten oftmals nur an die Spitze der Rangliste, weil sie sich ein unglaublich großes Spielpensum auferlegt hatten. In einigen Fällen beendeten Gilden in den Top-100 die Saison mit über 100 Niederlagen. Auf der anderen Seite konnten sie aber auch über 200 Siege verbuchen! Wenn eine Gilde also so oft wie möglich gespielt hat, konnte sie dadurch nicht nur ihr Können verbessern und wertvolle Erfahrung erlangen, sondern außerdem in der Rangliste aufsteigen, da sie mehr Spiele als die hinter ihr liegenden Gilden absolviert hat.
All dies wird sich jedoch ändern. Die Rangliste wird nun ein letztes Mal zurückgesetzt und mit der Zeit wird es nicht mehr reichen, einfach eine neue Gilde zu gründen und so viele Matches wie nur möglich zu bestreiten, um in der Rangliste nach oben zu klettern. Neue Gilden können sich durch Teilnahme an den täglichen Turnieren jedoch noch immer Qualifikationspunkte verdienen, mit denen sie in die monatlichen Turniere gelangen können. Auch durch Siege im freien Spiel erhaltet ihr weiterhin Qualifikationspunkte, wenn auch weitaus weniger als in den täglichen Turnieren. Diese Turniere werden die ELO-Wertung einer Gilde weitaus stärker beeinflussen als Matches im freien Spiel.
Farming
Einige der Spitzenteams haben zugegeben, bestimmte Builds zu spielen, um Wertungs- oder Belohnungspunkte zu “farmen” (also bestimmte Aktionen/Missionen wiederholt zu spielen, um eine bestimmte Belohnung zu erhalten). In den Wochen nach der Veröffentlichung von Nightfall passten Überwältigungs-Builds wie z.B. “Versengende Flammen” genau in diese Kategorie. Teams spielten ein einseitiges Build nur deshalb, weil sie erwarteten, damit mehr Siege als Niederlagen zu erzielen. Das Ziel dieser Teams bestand darin, so viele Spiele wie möglich zu bestreiten, und dann zu versuchen, das Spiel entweder schnell für sich zu entscheiden, es aufzugeben oder einfach schnell zu verlieren, wenn sich dies nicht verhindern lies - und das nur, um so viele Matches wie möglich spielen zu können.
Durch diesen Spielstil konnten Gilden Erfahrung im Spiel gegen Builds erlangen, gegen die sie normalerweise nicht antreten würden bzw. gegen die sie noch niemals zuvor gespielt hatten. Aufgrund ihrer fehlenden Erfahrung im Kampf gegen unbekannte Builds und Strategien mussten sie allerdings mit Niederlagen rechnen. Spitzenteams können ein schwächeres Team selbst mit einem einseitigen Build durch ihr überlegenes strategisches Verständnis besiegen. Nur weil die auf Platz 4 platzierte Gilde ein bestimmtes Build spielt, bedeutet das noch nicht, dass ihr Platz 4 erreicht, indem ihr das Build kopiert.
Mit dem neuen System wird es nicht mehr reichen, einfach nur die Rangliste zu farmen, also solltet ihr damit rechnen, dass die Platzierung der Gilden auf der neuen Rangliste stärker von ihrem Können als dem Ausmaß an Farming abhängen wird.
Konsequente Builds
Die Konsequenz der gespielten Builds ist ein weiterer Gesichtspunkt, dessen Wichtigkeit viele sich oftmals nicht klar machen.
Wenn ihr in jedem Match ständig neue Builds spielt, ist das ein sicherer Weg zu einem schlechten Punktekonto. Konsequenz lohnt sich mehr, als viele denken. Spielt ein Build, mit dem euer Team gut zurechtkommt, auch wenn ihr ab und zu ein paar Niederlagen damit einstecken müsst. Diese Vorgehensweise hat sich schon in der Vergangenheit bezahlt gemacht, da ihr damit nach und nach Siege verbuchen und in der Rangliste aufsteigen werdet; und auch im neuen System kann sich dieses Prinzip behaupten (selbstverständlich solltet ihr nicht krankhaft an einem Build festhalten, mit dem ihr ständig verliert). Anstatt ein Build wie bisher nur im Interesse des Ranglisten-Farming zu spielen, können Teams mit ihren Builds jetzt im freien Spiel üben, um sich auf die Turniere vorzubereiten.
Das bedeutet, dass Teams nicht in Panik geraten müssen, wenn sie einmal gegen ein Build verlieren, dem sie nichts entgegenzusetzen hatten. In Guild Wars gibt es eine dermaßen große Fülle von Fertigkeiten, dass es schlicht unmöglich ist, ein wirkungsvolles und ausgeglichenes Build zu konzipieren, das mit jeder wichtigen Fertigkeit da draußen fertig wird. Viele Spieler verbringen zu viel Zeit damit, sich ständig neue Gegenmaßnahmen auszudenken und wechseln dadurch laufend ihre Builds. Wenn ihr zum Beispiel Verhexungsentfernung in euer Build aufnehmen möchtet könnte euer Mönch “Heiliger Schleier” und euer Mesmer “Inspirierte Verhexung” ausrüsten, und es könnte dennoch passieren, dass ihr gegen ein Verhexungs-Überlastungsbuild verliert. Wenn das Build eures Gegners mit 15 Verhexungen ausgestattet ist, wird es euch schlicht und einfach unmöglich sein, sie jedes Mal vollständig zu entfernen.
Hier kommt die Bedeutung von strategischem Verständnis ins Spiel, d.h. der Fähigkeit, neue Strategien zu erlernen, um auch mit Builds fertig zu werden, auf die ihr nicht vorbereitet wart. Wenn ihr gegen ein solches Verhexungsteam einen Split spielt, wird die Wirkung der Verhexungen unter Umständen weniger konzentriert ausfallen, wodurch der Druck eures Gegners nachlassen wird und ihr eine Chance erhaltet, euch einen Vorteil zu erspielen. Es wird euch dagegen auf keinen Fall weiterbringen, wenn ihr das Spiel verliert und danach fünf neue Fertigkeiten zur Verhexungsentfernung in euer Build aufnehmt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr erneut auf ein dermaßen verhexungslastiges Build stoßt, ist äußerst gering, es sei denn, ein solches Build liegt im gegenwärtigen Metagame im Trend.
Es kann zwar durchaus hilfreich sein, Gegenmaßnahmen zu den im Metagame vorherrschenden Fertigkeiten mitzubringen, doch worauf ich hinaus will, ist die Tatsache, dass ihr nicht allein aufgrund der Auswahl eurer Fertigkeiten mit allen Gegnern fertig werdet. Um gegen manche Builds die Oberhand zu behalten, müsst ihr unter Umständen innovative Strategien einsetzen, und wenn ihr am Ende eurer Weisheit seid, bleibt euch manchmal leider nichts anderes übrig, als die eine oder andere Niederlage in Kauf zu nehmen. Es gibt immer ein Morgen und damit auch eine neue Chance in einem neuen Match. Konsequenz ermöglicht es euren Spielern, in euer Build hineinzuwachsen und zu lernen, damit umzugehen. Durch die damit gewonnene Routine schafft ihr Freiräume, die es euren Spielern erlaubt, kreativere Strategien zu entwickeln. Das ständige Wechseln von Builds entmutigt Spieler, sich im Gefüge eines bestimmten Builds verbessern zu wollen, da sie sich ständig an die Fertigkeiten und die Dynamik der neuen Builds anpassen müssen.
Und noch ein weiterer Punkt zum Thema Build-Konsequenz: sie erlaubt euch, Vorlagen abzuspeichern und Charaktere sehr schnell zu laden. Dadurch kommt ihr viel schneller ins Spiel, wenn es darum geht, eine Gruppe zusammenzubringen. Auf dem Weg in die Ranglistenspitze und zum Erreichen besserer Turnierplatzierungen kann euch dies sehr helfen!
Terminplanung und Beobachtermodus
Zu guter Letzt möchte ich noch einmal auf zwei Punkte eingehen, die ich bereits in der Vergangenheit angesprochen habe: Terminplanung außerhalb des Spiels und Beobachtermodus.
Um es einmal ganz banal zu formulieren: wenn ihr besser werden wollt, müsst ihr sehr viel spielen. Und wenn ihr mehr spielt, werdet ihr wahrscheinlich auch öfter verlieren. Wenn ihr mehr Spiele verliert - vor allem in Qualifikationsturnieren - dann müsst ihr diese Niederlagen mit Siegen ausgleichen. Und um zu gewinnen müsst ihr eben wieder spielen. Die stark vereinfachte Darstellung dieses Kreislaufs mag sehr offensichtlich klingen, doch leider sind sich viele Spieler dieser Tatsache nicht ganz bewusst. Sobald ihr euer Team beisammen habt und entschlossen seid, in der Rangliste nach oben zu klettern und an Turnieren teilzunehmen, solltet ihr so schnell wie möglich ein effizientes System zur Terminplanung erstellen.
Eine effiziente Terminplanung wird euch sehr viel leichter fallen, wenn ihr eine Möglichkeit habt, eure Spieler auch außerhalb des Spiels zu erreichen. IRC, Messenger-Programme, E-Mail, Foren, Websites und Voice Chat können euch dabei helfen, euer Team zu verbessern. Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr jetzt umfassende Websites mit Foren im Wiki-Format für eure Mitglieder erstellen müsst, aber wenn ihr mit den Mitgliedern eurer Gilde außerhalb des Spiels in Verbindung bleiben könnt, werdet ihr am Ende öfter zusammen spielen, was sich durch häufigere Erfolge, mehr Erfahrung und schließlich auch mehr Spaß lohnen wird.
Vergesst niemals, dass ihr euch mithilfe des Beobachtermodus’ verbessern könnt. Ihr solltet euch vor allem hart umkämpfte Siege und knappe Niederlagen ansehen. Analysiert dabei, welche Maßnahmen eure Gegner gegen eure Strategien ergreifen. Achtet auch darauf, welche eurer Strategien gut funktionieren oder eher nutzlos sind. Bezieht das ganze Team in Besprechungen zur Verbesserung euer Taktik mit ein. Vergesst aber bitte nie, dass jedes der beobachteten Matches ein Einzelfall ist. Was ihr in einem Match gesehen habt, kann im nächsten Match komplett anders sein. Versucht also, euer allgemeines Wissen über das Spiel, sowie spezifische Fertigkeiten, das Metagame, die Rangliste und das Turniersystem ständig zu erweitern.
Guild Wars ist ein Spiel, das sich ständig weiterentwickelt, und sehr bald wird sich auch das Ranglisten-System weiterentwickeln. Auch wenn es sich bisher ausgezahlt hat, so viele Spiele wie möglich zu spielen, wird diese Art des Farming bald ein Ding der Vergangenheit sein und es wird mehr darauf ankommen, dass ihr aus jedem Spiel so viel wie möglich lernt, um euch auf die automatisierten Turniere vorzubereiten. Wenn ihr möglichst viele Gildenkämpfe im freien Spielmodus bestreitet, vergrößert sich dadurch unbestrittenermaßen eure Erfahrung und ihr werdet euch weniger oft in unerwarteten Situationen wiederfinden, doch die Bedeutung des freien Spielmodus’ für eure Ranglistenplatzierung wird weitaus geringer sein. Der Weg an die Spitze der Rangliste war in der Vergangenheit äußerst steil, doch mit dem richtigen Einsatz und viel Übung durchaus zu bewältigen. Auch im neuen Turniersystem wird euch die richtige Mischung aus Einsatz, Disziplin und Routine eurem Platz unter den Top-100 einen großen Schritt näher bringen!
Christian Brellisford ist College-Student und studiert derzeit in Toronto (Ontario, Kanada) Videospiel-Design. Nach seinem Studium möchte er einen Beruf in diesem Bereich ergreifen. Christian spielt schon seit jungen Jahren und beschäftigt sich seit dem “E3 for Everyone"-Event 2004 mit Guild Wars. Zurzeit führt er die Gilde “Spirits of War” an. Im Spiel findet ihr ihn unter dem Namen Saidin Writer.





















