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Status des Spiels- Siegen im Würgegriff der Niederlage, 12. März 2007

Die Grundlagen des Ganking

Von Harold J. Chow

Besonderer Hinweis: Jeder 'Status des Spiels'-Artikel repräsentiert die Meinungen und Interpretationen eines einzelnen Spielbeobachters. Bei diesen Beobachtungen handelt es sich um die persönlichen Ansichten des Autors, die nicht unbedingt die Meinungen und Ansichten von ArenaNet widerspiegeln müssen. Obwohl ArenaNet jeden Artikel der 'Status des Spiels'-Reihe redigiert, um sicherzustellen, dass die darin dargelegten Inhalte alle Spieler berücksichtigen, möchten wir unseren Berichterstattern dennoch die Freiheit geben, ihre persönliche Meinung in ihre Analyse der aktuellen Atmosphäre des kompetitiven Spielgeschehens von Guild Wars einfließen zu lassen und Ansichten zu vertreten, die auf ihren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen beruhen.

Einer der spannendsten und dynamischsten Aspekte von Gildenkämpfen ist das so genannte Stützpunkt-Ganking. Dieser Begriff bezieht sich auf die Praktik, einige Spieler zum feindlichen Stützpunkt zu schicken, um NSCs und schließlich den Gildenherrn zu beseitigen. Ob ihr einen oder mehrere Spieler schon früh im Spiel in den Stützpunkt schmuggelt oder nach Sieg oder Tod (VoD, Victory or Death) eine größere Angriffstruppe in einen ungeschützten Stützpunkt schickt, um den Gildenherrn auszuschalten - ein erfolgreicher Gank kann eine sichere Niederlage in ein Erfolgserlebnis verwandeln.

In einem bereits veröffentlichten Artikel habe ich bereits ein paar grundlegende Konzepte für Split-Strategien besprochen und erwähnt, dass manche Gilden einen speziell dafür zuständigen Gank-Trupp abtrennen, um NSCs auf dem Stützpunkt auszuschalten und einen Vorteil bei Sieg oder Tod zu erlangen. Diesmal werde ich mich auf die Details für den Gank vor Sieg oder Tod konzentrieren.

Ziel

Ganker versuchen einen ungeschützten Stützpunkt auszunutzen, um die Reihen der NSCs zu lichten, die der Gegner bei Sieg oder Tod an der Flaggenstange hat, und nach Möglichkeit den Gildenherrn zu töten, bevor Sieg oder Tod eintritt. Bei zwanzig Minuten zwischen Spielbeginn und Sieg oder Tod haben Gank-Trupps jede Menge Gelegenheit, vorzudringen und diese Ziele zu erreichen.

Es ist jedoch Vorsicht geboten - erfahrene Spieler schaffen es oft schon beim ersten Gank-Versuch, den gegnerischen Gildenherrn auszuschalten, aber Ganker mit weniger Erfahrung tendieren dazu, die Konzentration zu verlieren und loszustürmen, ohne unterwegs NSCs zu töten, was schlussendlich zum vorzeitigen Niedergang des Gank-Trupps führt. Die dynamische Beschaffenheit des Gank-Splits erfordert allerdings häufig Improvisation. Wenn beispielsweise beide Teams in den jeweiligen Stützpunkt des Gegners eingedrungen sind, muss der Gank-Trupp eventuell die äußeren Bogenschützen ignorieren und einen frühen Vorstoß in die innere Kammer riskieren, um als Erstes beim Gildenherrn anzukommen und ihn zu töten.

Vorbereitung und Build-Erwägungen

Gank-Versuche fangen mit dem Team-Build an. Wenn der Build so angelegt ist, dass ein einzelner Ganker oder ein Gank-Trupp losgeschickt wird, kann das Team einfach Selbstheilung und einen Geschwindigkeitsschub in den Fertigkeitsbalken eines Spielers legen. NSC-Bogenschützen und Ritter verfügen ebenfalls über Selbstheilung, deshalb können Unterbrechungen von Trollsalbe und Siegel der Heilung ihre Eliminierung beschleunigen. Teams rüsten einen Ganker häufig ebenfalls mit einer Form der Lebenspunktdegeneration aus. Dadurch kann der Spieler die Degeneration auftragen, die Heilfertigkeit des NSC unterbrechen und dann zu einem anderen Ziel wechseln. Teams können außerdem ihre Split-Charaktere so anlegen, dass sie in Split-Trupp-Begegnungen eine gute Figur abgeben - manchmal sogar in dem Maße, dass sie ausdrücklich gegen beliebte Defensiv-Splits im aktuellen Metaspiel eingesetzt werden. Erfahrene Teams wählen ihre Ganker so, dass sie sich mit dem Rest des Teams ergänzen, falls die Spielsituation einen Kampf 8 gegen 8 erfordert.

Diese Überlegungen haben dazu geführt, dass der "Brennender Pfeil"-Waldläufer sich für diese Art des Split und als Teil eines Gank-Trupps großer Beliebtheit erfreut.

"Brennender Pfeil"-Waldläufer (W/Mö)Fertigkeitenvorlage: AyQxbuLGz7obfMqmZzv23kXFAA
Attribute:
Treffsicherheit=11+1+1
Fachkenntnis=11+1
Überleben in der Wildnis=8+1
Schutzgebete=3
Fertigkeiten:

Mit Brennender Pfeil und Gift auftragen kann dieser Charakter NSCs schnell außer Gefecht setzen. Er verfügt über Unterbrechungen wie Ablenk-Schuss, die nicht nur dabei helfen NSCs zu töten, sondern feindliche Spieler auch in Gefechten und 8-gg.-8-Situationen behindern. Natürlicher Schwung dient zum Erhöhen der Bewegungsgeschwindigkeit und zur Verteidigung, während Trollsalbe und Genesungsberührung Selbstheilung und die Entfernung von Zuständen gewähren. Manche Spieler tauschen ihre Siegel der Wiederbelebung gegen Festnageln aus, um feindlichen Verteidigern und Flaggenläufern Fallen zu stellen. Obwohl viele Gilden mittlerweile Methoden gefunden haben, um diesen Charakter zurückzuschlagen, und zukünftige Änderungen an den Fertigkeiten ihn treffen könnten, ist der "Brennender Pfeil"-Waldläufer bei der Erwägung anderer Gank-Builds ein ausgezeichneter Maßstab.

Es ist zu beachten, dass dieser Charakter nicht immer allein splittet, wenn er auch dazu in der Lage ist. Je nachdem, welche Art Verteidiger der Gegner losschickt, splitten Teams die entsprechenden Partner zusammen mit einem solchen Charakter. Ein geläufiger Gank-Trupp-Build umfasst einen "Waffe der Behebung"-R/E mit Wasserschlingen und manchmal entweder einen Schattengefängnis-Assassinen oder einen "Ihr seid ganz allein!"- Krieger, um den Waldläufer zu ersetzen. Selbst gut vorbereitete Teams können Schwierigkeiten damit haben, die passenden Gegner zurückzuschicken, ohne ihre Position an der Flaggenstange zu gefährden.

Dieser Waldläufer dient nur als Beispiel. Gilden verwenden für ihr Ganking eine Vielzahl von Charakteren. Einige neue Gank-Trupps meiden Waldläufer ganz und bevorzugen stattdessen zwei Assassinen, die Rückruf bei einem Elementarmagier mit guten defensiven Fertigkeiten aufrecht erhalten, um einen Ein-Personen-Gank in einen Drei-Personen-Gank umzuwandeln und einen einzelnen Verteidiger einfach mit einem Überraschungsangriff zu überwältigen.

Ganker sollten es sich außerdem zur Gewohnheit machen, den Radar nach feindlichen Bewegungen zu überprüfen und Voicechat zu verwenden, um herauszufinden, welche Verteidiger der Gegner zurückgeschickt hat, oder ob feindliche Spieler im Stützpunkt wiederbelebt werden.

Durchführung

Manche Teams bilden zu Beginn des Spiels einen Gank-Trupp, andere wiederum begeben sich in einen Kampf 8 gegen 8, bevor sie sich aufteilen. Die Entscheidung, wann die Teilung erfolgen soll, hängt vom Team-Build, der Gildenhallen-Karte und dem Wissen über die Taktik des Gegners ab, deshalb konzentriert sich dieser Artikel hauptsächlich auf das "Wie", nicht so sehr auf das "Wann".

Vor Sieg oder Tod sollte der Gank-Trupp den Gildendieb mitbringen, falls es für die Karte einen gibt. Manche Charaktere können zwar die Bogenschützen der Befestigungsanlage ausschalten, ohne den Stützpunkt zu betreten, doch den Gildendieb dazu benutzen, in den Stützpunkt zu gelangen - meist durch das Seitentor – führt dazu, dass ein Ganker mehr Druck auf das andere Team ausüben und es dazu zwingen kann, die Verteidiger zurückzuschicken. Auf solchen Karten ist der Schutz des Gildendiebs von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines Gankers.

Durch genau durchdachte Positionierung können Ganker schnell zur Kammer des Gildenherrn vorstoßen. Nicht alle Bogenschützen haben Ganker in ihrem Blickfeld oder verfügen über die nötige Reichweite, um Ganker anzugreifen - vor allem, wenn diese Mauern als Deckung einzusetzen wissen. Ganker können sie also vermeiden und einfach nur problematische Bogenschützen auf ihrem Weg zum Gildenherrn beseitigen, um einen Fluchtweg vorzubereiten.

Sobald ihr auf den meisten Karten in der Kammer des Gildenherrn angekommen seid, solltet ihr als Erstes die Ritter-NSCs der Reihe nach hinauslocken. Jene von euch, die im PvE versiert sind, wissen, wie man diese KI-gesteuerten Nahkampffeinde "herauszieht" - entweder, indem ihr eine Distanzwaffe einsetzt, oder indem ihr sie mit eurer "Aggro-Blase" streift. Manche Gank-Builds können zwar mit gleichzeitigen Angriffen von beiden Rittern umgehen, ihr solltet aber nicht vergessen, dass diese NSCs große Schadensmengen zufügen und ein ahnungsloses Ziel ausschalten können.

Nach dem Ausschalten der Ritter sollten die Charaktere, die Verkrüppelung nicht entfernen können, wahrscheinlich als Nächstes die beiden Bogenschützen loswerden, um Angriffe mit Festnageln zu vermeiden. Denkt als Alternative darüber nach, den Leibwächter anzugreifen. Neben dem riesigen Wirkungsbereich-Schaden, den er zufügen kann, heilt der Leibwächter außerdem den Gildenherrn. Der Leibwächter wird jedoch im Gruppenfenster angezeigt. Ihn zu töten macht also den Feind schließlich auf den Gank-Versuch aufmerksam, falls er die Nachricht "Basis wird angegriffen!" ignoriert oder übersehen hat. Andererseits macht das Töten dieses NSCs den Gildenherrn verwundbar und zwingt den Gegner, seine Verteidiger zurückzuschicken, wenn er das Match nicht verlieren will.

Auf bestimmten Karten wie der Brennenden Insel und der Insel der Toten kann ein Waldläufer mit einem Flachbogen mit hoher Bogenreichweite den Leibwächter angreifen, ohne dabei die anderen den Gildenherrn umgebenden NSCs auf sich aufmerksam zu machen. Außerdem können manche Charaktere den Leibwächter auf der Mehrzahl aller Karten töten, ohne vorher andere NSCs töten zu müssen. Wegen der Schlüsselrolle des Leibwächters bei der Verteidigung des Gildenherrn und bei der Kontrolle über die Flaggenstange in Sieg oder Tod sollten Ganker einschätzen, wann sie einen Vorstoß wagen und wann sie die NSCs systematisch auslöschen.

Das Heilamulett des Gildenherrn verliert mit fortschreitendem Spiel an Wirksamkeit, ihr solltet den Gildenherrn also nicht bei frühen Splits angreifen. Ganker müssen sich häufig ins Hauptteam zurückziehen, ehe sie eine neue Gelegenheit zum Eindringen erhalten, bei der der Gildenherr dann ein wesentlich leichteres Opfer ist.

Mit Verteidigern umgehen

Zu wissen, wann ein Rückzug angesagt ist und wann der Verteidigungs-Split des Gegners in einen Kampf verwickelt werden kann, ist Erfahrungssache. Manchmal schafft es ein Gank-Trupp an den gegnerischen Gildenherrn heran und kann seine Lebenspunkte dramatisch reduzieren. Wenn die feindlichen Mönche nicht rechtzeitig zurückkommen können, weil sie entweder zu langsam reagieren oder weil die Teamgefährten der Ganker ihnen Fallen gestellt haben, empfiehlt es sich möglicherweise für den Gank-Trupp, den Gildenherrn zu töten. Manchmal schickt der Gegner einen frühen defensiven Split zurück und zwingt die Ganker zu entscheiden, ob sie einen NSC ausschalten können oder ob sie aufhören sollen. Erfahrene Verteidiger werden ihre NSCs dazu verwenden, zahlenmäßige Überlegenheit über den Gank-Trupp zu erringen, ihnen also Fallen zu stellen, ehe sie an ihre NSCs herankommen, führt zu mehr Auseinandersetzungen.

Mit guter Vorbereitung kann selbst ein rudimentärer Gank-Versuch große Auswirkungen auf das Ergebnis eines Matches haben. Möge Fortuna Euch gnädig gestimmt sein!


Harold J. Chow ist ein freiberuflicher Guild Wars-Berichterstatter. Im Spiel findet ihr ihn unter dem Namen Guild Informant.