Mondfest-Turnier, 5. März 2007

Besonderer Hinweis: Jeder ‘Status des Spiels’-Artikel repräsentiert die Meinungen und Interpretationen eines einzelnen Spielbeobachters. Bei diesen Beobachtungen handelt es sich um die persönlichen Ansichten des Autors, die nicht unbedingt die Meinungen und Ansichten von ArenaNet widerspiegeln müssen. Obwohl ArenaNet jeden Artikel der ‘Status des Spiels’-Reihe redigiert, um sicherzustellen, dass die darin dargelegten Inhalte alle Spieler berücksichtigen, möchten wir unseren Berichterstattern dennoch die Freiheit geben, ihre persönliche Meinung in ihre Analyse der aktuellen Atmosphäre des kompetitiven Spielgeschehens von Guild Wars einfließen zu lassen, und Ansichten zu vertreten, die auf ihren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen beruhen.

Von Christian Brellisford

Und los gehts! Das größte Turnier in der Geschichte von Guild Wars, an dem mehr als 280 Gilden teilnehmen, hat vor kurzem begonnen. Momentan tragen sie gerade hart umkämpfte Runden nach dem Schweizer System aus, um den Aufstieg zu erringen. Wenn sich der Staub erst gelegt hat, werden 16 Gilden weiter aufsteigen. Diese 16 Spitzengilden spielen eine Endrunde im K.o.-System, um den Sieger des Mondfest-Turniers zu ermitteln. Die Gewinner dürfen sich über nagelneue Videokarten freuen und sich zu Recht die Besten im internationalen Wettbewerb nennen. Die anderen 15 Gilden erhalten ebenfalls Preise und Transformationstränke und ihre Namen werden in den Archiven von GuildWars.com dauerhaft für die Nachwelt festgehalten. Worum genau es sich bei den Tränken handelt, ist noch nicht klar, doch Fans des Turniers haben ebenfalls die Chance, ein solches Gebräu zu gewinnen, indem sie den richtigen Tipp über den Ausgang des Turniers in der Xunlai-Wettstube abgeben.

Es ist zu früh, um die Stärken der Teilnehmer unter die Lupe zu nehmen, aber ein paar Gilden stechen bereits als starke Kandidaten hervor und die Kämpfe werden zusehends heftiger. Wenn man sich Drittrundenbegegnungen wie die Powerpuff Boys gg. Black Emperor oder Timeless Resolve gg. Forlorn Savior ansieht, dann kann man davon ausgehen, dass das Turnier im Bezug auf GvG-Kämpfe einen spannenden Monat bringen wird.

Bekannte Gesichter wie iQ und cow haben die Bühne mit viel Lärm betreten, genauso altbekannte Turnierteilnehmer wie Mostly Harmless, Esoteric Warriors und Peace and Harmony. Die Gegnersuche nach dem Zufallsprinzip der ersten Runde hat manche von diesen Veteranen möglicherweise mit weniger erfahrenen Teams zusammengeführt, je weiter das Turnier aber fortschreitet, desto ausgeglichener werden die Runden, da die Siegergilden gegeneinander antreten müssen.

Verschiedene Builds

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Builds im Spiel. “Gimmick"-Builds haben sich für einige Teams als sehr wirkungsvoll erwiesen, da Gegner es schwierig finden, alle potenziellen Tricks, die eine Achtergruppe aus dem Ärmel schütteln kann, zu kontern. Es gab eine Menge 2:0-Siege und nur wenige Runden liefen über die vollen drei Spiele. Das deutet darauf hin, dass eine Menge Gilden einen Build gefunden haben, der für sie funktioniert und zwischen den Spielen nur minimale Änderungen daran vorgenommen haben.

Großer Beliebtheit erfreuen sich momentan Verhexungs-Druck-Builds und Zwietracht-Spikes. Obwohl Zwietracht mit Helden besser funktioniert als mit menschlichen Spielern, ist es im aktuellen Metaspiel nach wie vor eine große Schadensquelle. Teams können mehrere Exemplare davon mitbringen, es ist aber möglich, einen Zwietracht-Spiker in Druck- oder ausgeglichenen Builds einzusetzen. Diese Builds umfassen meist trotzdem schwere Verhexungen von anderen Nekromanten oder Illusion-basierten Mesmern. Zusätzlicher Zustandsdruck kommt von Krankheit oder von einem Waldläufer, der eine Kombination aus Brennen, Blutung und Gift verbreitet.

Wachsame Teams können aber mit diesem Spike-Build umgehen, indem sie den Zustandsaspekt von Zwietracht erkennen und aufhalten (um Schaden zu nehmen, muss ein Ziel an einem Zustand UND einer Verhexung oder Verzauberung leiden). Außerdem funktioniert der Zwietracht-Build mit Helden besser als mit menschlichen Spielern, da KI schneller und präziser zielt als menschliche Spieler. Deshalb (Helden dürfen nicht an Turnieren teilnehmen) kann es sein, dass dieser Build nicht so häufig gespielt wird, wie wir glauben. Ritualisten sind jedoch nach wie vor eine praktikable Lösung sowohl für gewöhnliche Ranglisten-Builds als auch für Turnier-Builds. Die vor kurzem an der Kanalisierungsmagie vorgenommenen Verstärker haben dazu geführt, dass Teams schwer auf Unterstützungsfertigkeiten, wie etwa Vereinigung und Unterschlupf setzen, während sie gleichzeitig einen qualitativ hochwertigen Spike mit Wehklage und Geisterbrand aufrecht erhalten.

Teleportier-Fertigkeiten sind auf der normalen Rangliste ebenfalls unglaublich beliebt und werden von Spitzenteams regelmäßig eingesetzt. Die Fähigkeit, schnell ein neues Ziel auszuwählen und dann zu spiken, ist jedoch für weniger koordinierte Teams schwierig. Außerdem erfordert die Rettung von Verbündeten vor einem solchen Spike den weisen Einsatz von Fertigkeiten und schnelle Reaktionszeiten von den Mönchen. Teleportierende Nahkampfcharaktere passen wesentlich besser in ausgeglichene Builds als manche andere Gimmicks, da Fertigkeiten wie Schattengefängnis in Split-Situationen als Fallen agieren können und bei Spikes im Kampf 8 gegen 8 hilfreich sind.

Teleportierende Krieger werden außerdem in Druck-Builds eingesetzt und passen sehr einfach zum immer populären Nahkampftrupp. Diese Trupps können mehrere Krieger oder auch eine Mischung aus Kriegern, Derwischen und Assassinen umfassen. Teams verwenden häufig einen Mesmer, um zu stören und eventuelle einen Waldläufer oder Paragon zum Splitten oder unterstützen. Diese ziemlich ausgeglichenen Teams können zwischen einzelnen Turnierspielen leicht modifiziert werden, um auf den nächsten Gegner vorbereitet zu sein.

[[[subtitle]]]Heimvorteil

Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Turniers ist das “Best of three” und der “Heimvorteil”, den Gilden haben können. Welches Team die Karte für den ersten Kampf wählt, wird durch das Zufallsprinzip festgelegt. Ein Team wählt die erste Karte und nach dem Ende des Kampfes sucht sich das andere Team die Karte für den zweiten Kampf aus. Falls es zu einem dritten Kampf kommt, wählt der Verlierer des zweiten Kampfes die Karte. Die Jadeinsel ist mittlerweile die Lieblingskarte für Teams mit Gimmick-Builds wie die Verhexungs-Überlastung oder verschiedene Spikes. Wie die Brennende Insel bestraft die Jadeinsel Spieler fürs Splitten und macht es für ausgeglichene Teams schwieriger, Spikes taktisch zu kontern. Außerdem ist die Nähe der Brücken und der Flaggenstange ideal für die Fertigkeiten eines WB-Elementarmagiers und Nekromanten-Verhexungen.

Mit mehr als 280 Gilden, die am Turnier teilnehmen, sollten Teams allerdings darauf vorbereitet sein, in so gut wie allen Hallen zu kämpfen. Spitzengilden werden dies erkennen, sich darauf vorbereiten und möglicherweise eine neutralere Karte wählen, während sich unerfahrenere Teams eine weniger durchschnittliche Gildenhalle wie die Jadeinsel aussuchen werden, um aus dem vorübergehenden Heimvorteil Kapital zu schlagen.

Internationaler Wettbewerb

Am Mondfest-Turnier nehmen Gilden aus aller Welt teil. Das hat sich als gleichermaßen vorteilhaft und kompliziert herausgestellt, da Teams Zeiten und Kontaktinformationen erhalten, um ihre Matche zu organisieren.

ArenaNet hat den Teilnehmern die Gelegenheit gegeben, ihre Matche zu einer Zeit abzuhalten, die für beide Teams so günstig wie möglich ist. Das hat für Gilden aus einer Region auch gut funktioniert, aber Teams, die aus völlig unterschiedlichen Zeitzonen der Welt kommen, hatten damit wesentlich größere Probleme. Wenn zwei Teams sich nicht auf eine Zeit einigen können, müssen sie zur offiziellen Ausweichzeit spielen. Diese ist jedoch der letzte Ausweg und häufig spätnachts oder frühmorgens angesetzt, wenn Spieler aller Wahrscheinlichkeit nach keinen anderen Verpflichtungen wie Schule oder Arbeit nachgehen.

Diese Probleme bei der Terminplanung haben dazu geführt, dass die Ergebnisse einiger Matches kampflos bestimmt wurden. Wenn ein Team zur festgelegten Zeit verhindert ist bzw. zur festgelegten Zeit nicht genügend Spieler online sind, zählt dies als Niederlage für das Team. Das bedeutet nicht unbedingt den Untergang dieser Gilde im Turnier. Es gibt noch viele Runden und Gelegenheiten, genügend Punkte zu erzielen, um unter die besten 16 zu gelangen. Außerdem haben manche Gilden, die Matches bestreiten, festgestellt, wie schwierig es ist, die ursprünglichen 8 (oder 10) Mitglieder von ihrer ursprünglichen Teilnehmerliste für jedes einzelne Match zusammenzubekommen. Deshalb bietet ArenaNet die Möglichkeit an, einmalig 4 neue Spieler einzutauschen, vorausgesetzt, sie sind seit mindestens 30 Tagen Mitglied der Gilde und das ursprüngliche Sechser-Kernteam aus der ersten Aufstellung bleibt bestehen.

Das Mondfest-Turnier ist das letzte und größte seiner Art. Es hat dabei zwar einige Geburtswehen gegeben, aber die Leidenschaft der Guild Wars-Spieler wird dadurch ganz bestimmt angekurbelt und die Gilde, die am Ende des Turniers zum Sieger gekürt wird, wird sich diesen Titel unter Garantie verdienen!

Automatisierte Turniere

Beim Mondfest-Turnier haben wir die kompetitive Seite von Guild Wars in großem Maßstab und mit einer riesigen und kunterbunten Ansammlung von Teams zu sehen bekommen. Das hat uns die Chance gegeben, GvG als ein Medium zu verwenden, um das kompetitive Spiel einer größeren Spielerbasis vorzustellen. Obwohl wir seit der ursprünglichen Ankündigung nicht viel über die automatisierten Turniere gehört haben, wird ein automatisierter Vorgang zur Planung dieser Matches und Turniere ganz bestimmt ein willkommenes Feature in Guild Wars werden.

Diese automatisierten Turniere werden womöglich sogar die regulären Ranglisten-Wettbewerbe ersetzen. Bereits jetzt gibt es kompetitive Gilden, die die reguläre Rangliste als Spielwiese für Experimente mit neuen Builds, Spielertraining und zum Sammeln von Erfahrung benutzen. Wenn automatisierte Turniere so beliebt wie das Mondfest-Turnier werden, dann wird das kompetitive GvG unter Garantie viel spannender!


Christian Brellisford studiert gegenwärtig in Toronto (Ontario, Kanada) Videospieldesign und hofft auf eine Karriere in diesem Bereich. Christian spielt schon seit frühester Kindheit Computerspiele und beschäftigt sich seit dem “E3 for Everyone"-Event im Jahr 2004 mit Guild Wars. Er ist momentan der Anführer der Gilde Spirits of War.