Status des Spiels: 27. Dezember 2006 - Gestaltung von Standard-Builds
von Adam Sunstrom
Dieser Artikel ist eine Sammlung grundlegender Tipps für den Aufbau eines Builds, der in Gilde-gegen-Gilde-Umgebungen eingesetzt werden soll. Viele der genannten Punkte, jedoch nicht alle, sind auch für andere Formen des PvP gültig.
Da der kreative Prozess in aller Regel nicht nach einem festen Schema abläuft, versuche ich hier gar nicht erst, ihn genauer zu erläutern. Manchmal beginnt alles mit einem plötzlichen Geistesblitz zu einer Fertigkeitskombination, einer zufälligen Entdeckung bei Änderungen an einem bereits vorhandenen Build oder etwas ganz anderem. Aber woher auch immer die Ideen stammen, die in diesem Artikel beschriebenen Konzepte könnten euch bei ihrer Umsetzung helfen.
Um diesen Artikel besser zu verstehen, hier eine kleine Erläuterung des Begriffes “Metaspiel”. Vereinfacht ausgedrückt reicht das Metaspiel von der Spitze der GvG-Leiter abwärts, umfasst allgemeine Trends des Spiels, die geistige Einstellung der PvP-Kultur, die aktuell angewendeten Techniken und die Arten von Fertigkeiten, die derzeit am beliebtesten sind. Wenn ein kompetitiver Spieler diesen Begriff benutzt, meint er gewöhnlich Folgendes damit: “Alles, was in den meisten GvG-Kämpfen derzeit besonders häufig vorkommt.” Beispiel: Direkt nach der Veröffentlichung von Nightfall machte Feuer-Wirkungsbereichschaden kombiniert mit “Gemeinsam toben” durch Waldläufer/Krieger-Groller das Metaspiel aus.Stehen mehr Optionen und neue Fertigkeiten zur Verfügung, als man bewältigen kann, picken sich die Spieler natürlich immer die Schadenkombination mit der höchstmöglichen Wirkung heraus und benutzen sie, bevor andere herausgefunden haben, wie man sie effektiv kontern kann.
Ursprünglicher Ansatz
Wie ich es sehe, gibt es beim Aufbau von Builds drei Methoden. Sie alle erfordern, dass ihr mit dem aktuellen Metaspiel ein bisschen vertraut seid:
- Benutzung eines Meta-Builds. Diese Option ist hauptsächlich für Teams gedacht, die ihr spielerisches Können verbessern oder ein paar schnelle Siege einheimsen möchten, denn in der Regel werden sie am leichtesten gekontert, sobald sich neue Entwicklungen ergeben. Wenn ihr ein noch unerfahrenes Team seid, sucht euch einen gut abgestimmten Build aus, bei dem nur selten Aufteilungstaktiken erforderlich sind. Sogar wenn ihr den Build einer Topgilde kopiert, solltet ihr ihn kritisch unter die Lupe nehmen und schauen, ob ihr nicht nach ein paar Spielen kleinere Verbesserungen daran vornehmen könnt. Wenn ihr diese Methode wählt, um eure Builds auszuwählen, hält man euch wahrscheinlich für phantasielose Nachahmer. Das sollte euch aber nicht stören, denn für eine aufstrebende Gilde ist es manchmal die beste Methode.
- Dem Metaspiel entgegenwirken. Das ist der gebräuchlichste Weg für Schöpfer kompetitiver Builds. Man sieht sich an, welche Builds am häufigsten von den einzelnen Teams genutzt werden, und denkt anschließend über Möglichkeiten nach, wie die entdeckten Schwächen am besten auszunutzen sind. Wenn es im Metaspiel jede Menge Nahkampfcharaktere gibt, sollte man “Abwehr gegen Nahkampf” und Mönche/Assassinen mit Selbstverteidigungsfertigkeiten wählen. Falls niemand Energieverstärkungs-Fertigkeiten benutzt, solltet ihr es mit häufiger Energieverweigerung versuchen.
- Etwas ganz Neues erschaffen und die aktuellen Gepflogenheiten ignorieren. Diese Methode gleicht eher einem Glücksspiel, denn meistens kommt etwas völlig anderes heraus, als anfänglich beabsichtigt war. Wenn die Methode jedoch Erfolg hat, bieten sich die größten Chancen im Metaspiel. Je weiter sich das Metaspiel jedoch entwickelt, desto unattraktiver wird diese Option, weil das Risiko wächst, dass auch andere Spieler eure Idee bereits ausprobiert haben. Diese Methode ist die übliche nach einer Unterbrechung im Metaspiel, zum Beispiel nach der Veröffentlichung einer neuen Erweiterung.
Wie wollt ihr gewinnen?
Es genügt nicht, einfach nur einige Schaden verursachende Charaktere und ein paar Heiler zusammenzuwürfeln. Ihr müsst eine klare Vorstellung davon haben, was ihr neben der Eliminierung des gegnerischen Teams und des Gildenherrn erreichen wollt. Sobald ihr wisst, wie ihr gewinnen wollt, könnt ihr eure Charakter-Builds und Kombinationen diesem Zweck entsprechend maßschneidern.
Derzeit gibt es im Guild Wars-GvG drei grundlegende Typen von Builds:
- SoT (Sieg oder Tod!) – Der Schwerpunkt liegt auf einem Sieg nach der 20-Minuten-Marke, wenn es um “Sieg oder Tod!” geht. Typisch für diese Builds sind eine starke Aufteilungsgruppe, gute Verteidigung und Wirkungsbereichschaden für den Endkampf bei der Flaggenstange.
- Spikes – Es geht um das Ausschalten feindlicher Spieler, bevor die Mönche der Gegenseite reagieren können. Builds dieser Art enthalten gewöhnlich jede Menge Zauberwirker derselben Klasse, mit denen ein wirkungsvoller, hoch optimierter und einfach zu koordinierender Spike zu erzielen ist. Wenn ihr derartige Builds erstellt, braucht ihr einen guten Notfallplan, falls sich die Feinde aufteilen und euch von mehreren Seiten gleichzeitig angreifen.
- Druck – Damit wird über einen längeren Zeitraum mehr Schaden verursacht, als die feindlichen Mönche kompensieren können. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu erreichen, aber die gebräuchlichsten Taktiken sind “Ablenkung” und Energieverweigerung in Verbindung mit zwei oder mehr Kriegern oder anderen Nahkampfcharakteren.
Wichtige Bestandteile
Nachfolgend findet ihr ein paar Vorkehrungen, die sich in fast allen erfolgreichen und flexiblen Builds als notwendig erwiesen haben. Wollt ihr darauf verzichten, solltet ihr einen guten Grund dafür haben.
- “Siegel der Wiederbelebung” (im internationalen Gebrauch oft als “Rez Sigs” bezeichnet). Sie sind in GvG-Kämpfen sehr wichtig. Am besten sollten alle Spieler mit Ausnahme von Mönchen, Flaggenläufern und manchen unterstützenden oder aushelfenden Charakteren über eines verfügen.
- “Hard Rez” – Damit ist jede Möglichkeit zur Wiederbelebung außer “Siegel der Wiederbelebung” gemeint. Der Begriff geht auf eine Wiederbelebungsfertigkeit zurück, die wegen langer Wirkzeiten nur schwer ("hard") zu Ende gebracht werden kann. “Siegel der Wiederbelebung” sind schwerer zu unterbrechen, weil sie eine kürzere Aktivierungszeit haben und keine Zauber sind. Allerdings muss das Team auch dann über eine aufladbare Möglichkeit zur Wiederbelebung von Spielern verfügen, wenn der Feind die Flaggenstange kontrolliert und wenn keine Moralschübe zu erwarten sind, um benutzte “Siegel der Wiederbelebung” wieder aufzuladen.
- Gruppenweite Heilung – Wenn man mit einem Build konfrontiert ist, der ein Übermaß von Verhexungen oder Zuständen einsetzt, ist es häufig einfacher, durch Lebenspunktdegeneration zu heilen, als die Quelle der Degeneration zu beseitigen. Beliebte Fertigkeiten für diesen Zweck sind “Gruppe heilen”, “Gesang der Wiederherstellung” und “Licht der Erlösung”.
- Flaggenläufer – Flaggen tragende Charaktere müssen über einen guten Temposchub für sich selbst verfügen und sollten einzelnen feindlichen Angreifer widerstehen können. Dazu werden oft Schlingen, Niederschläge oder Blendfertigkeiten genutzt. Beliebt ist auch, diesen Charakter mit einer Fertigkeit zur gruppenweiten Heilung zu versehen, weil er sich häufig außerhalb der Reichweite feindlicher Unterbrecher aufhält.
- Schutz – Gewöhnlich sind zwei Mönche nicht ausreichend, um ein Team am Leben zu erhalten. Anstatt drei Mönche einzusetzen und auf eine Menge Schaden zu verzichten, versehen die meisten Teams Charaktere im Mittelfeld mit Schadenminderungs-Fertigkeiten. Beliebte Optionen sind zum Beispiel Schutzzauber, Blendfertigkeiten, “Aegis”, “Passt auf Euch auf!” und Paragon-Schreie.
Fragen zur Kampfbereitschaft
Manche der folgenden Fragen scheinen sich auf Taktik zu beziehen und das tun sie auch ... bis zu einem gewissen Grad. Seid ihr jedoch der Meinung, dass euer Team auf wenigstens eine dieser Fragen keine gute Antwort geben kann, solltet ihr euren Build ändern, bevor ihr dem Feind die Chance gebt, diese Schwäche auszunutzen.
- Welche Charaktere gehen zurück, um zu verteidigen, wenn die Feinde einen oder zwei Spieler von ihrer Gruppe abteilen? In der Regel ist wenigstens einer der abgeteilten Spieler der Flaggenläufer, da dieser Charakter mehr Zeit als alle anderen in der Nähe des Stützpunkts verbringt.
- Welche Charaktere gehen zurück, um zu verteidigen, wenn sich die Feinde in zwei Vierergruppen aufteilen?
- Wer geht wohin, wenn ihr euch selbst aufteilen müsst? Wie lautet Plan B, wenn ihr auf einen Build trefft, der von euch im Kampf acht gegen acht nicht zu besiegen ist? Eine gangbare Lösung wäre es zum Beispiel, den Flaggenläufer und einen Krieger mit “Siegel der Heilung” auf die Reise zu schicken.
- Kommen die aufgeteilten Teams in diesem Fall allein zurecht?
- Welchen Schutz außer Heilung bieten eure Mönche? Brauchen sie eventuell Energieschübe?
- Wie kann euer Build einen “Überlastung"-Build besiegen? Was wäre in einem solchen Fall die taktische Vorgehensweise?
- Wie will euer Build einen Spike-Build besiegen? Was wäre in einem solchen Fall die taktische Vorgehensweise?
Natürlich kommen Fehler und Missverständnisse vor, aber ihr solltet sie nicht einkalkulieren, sondern davon ausgehen, dass euer Team und die Feinde fehlerlos spielen, wenn ihr euch diese Fragen stellt. Wenn eure Antwort auf eine bestimmte Taktik sich auf die Dummheit des Gegners verlässt, trefft ihr irgendwann auf ein cleveres Team, das euch mit dieser Taktik eliminiert.
So verbessert ihr einen Build
Wenn ihr einen Build testet und dabei Mängel feststellt, solltet ihr zuerst feststellen, ob das Problem in der Grundidee des Builds oder im Detail liegt. Sofern ihr beispielsweise versucht, einen auf Spiking ausgerichteten Build mit fünf Schadenverursachern gleichzeitig in einem Metaspiel mit Split-Taktiken zu verwenden, ist das Problem das Wesen des Builds. Ihr seid sozusagen schon bei Betreten der Arena widerlegt, weil sich alle fünf Spieler an einer Stelle befinden müssen, um Volltreffer zu erzielen. In einem solchen Fall solltet ihr einen anderen Build benutzen.
Seid ihr dagegen der Meinung, das Problem des Builds liegt im Detail, solltet ihr alle Spieler befragen, wie er verbessert werden könnte. Fragt nach, welche Probleme die einzelnen Spieler mit ihren Builds hatten, bevor ihr entscheidet, was ihr ändern wollt. Die Rückmeldungen der anderen Spieler bilden eine gute Grundlage für eure Entscheidungen. Vielleicht findet ihr so heraus, dass ein Spieler sich nicht genau über seine Rolle im Klaren war oder dass er versehentlich eine falsche Fertigkeit gewählt hatte.
Ich hoffe, dieser Artikel hilft euch ein bisschen. Für kompetitive Spieler und erfahrene Schöpfer von Builds wird er zwar wenig Neues bieten, aber unerfahrenen Spielern spart es vielleicht viel Zeit bei der Überarbeitung von Builds, wenn sie den aufgezeigten Schritten folgen.
Noch ein Tipp zum Abschluss: Übertreibt es nicht mit den Änderungen. Im Spiel gibt es Hunderte von Fertigkeiten und nur allzu leicht könnte sich ein Grund finden, alles Mögliche auszuprobieren. Aber jedes Mal solltet ihr euch zuerst fragen, ob es dem Zweck eures Builds dient. Ein häufiger Fehler ist der Versuch, an sich einwandfreie Charaktere einzubringen, die aber nichts dazu beitragen, die gewünschten Ziele zu erreichen. Wassermagie-Schlingen zum Beispiel sind zwar äußerst nützlich, aber wenn der Build sonst keine weiteren Verhexungen enthält, sind sie in ausgedehnten Kämpfen häufig verschenkt. Falls der Team-Build auf eine Vielzahl von Zuständen zurückgreifen kann, wäre es unter Umständen vorteilhafter, etwas zu benutzen, das Verkrüppelung bewirkt. Habt ihr dagegen zahlreiche Verhexungen, aber nur wenige Zustände in eurem Build, solltet ihr zur Nahkampfabwehr auf eine der Verhexungen “Verschwommene Sicht” oder “Schatten der Angst” statt auf Blendfertigkeiten zurückgreifen. Wenn “Blindheit” der einzige Zustand ist, kann dieser Zustand oft viel zu leicht aufgehoben werden.
Adam Sunstrom spielt Guild Wars seit Februar 2004. Er nahm damals am Alpha-Test teil und interessierte sich von Beginn an für die kompetitiven Aspekte des Spiels. Bei den ersten Beta Weekend Events führte er seinen ehemaligen Clan “The Fianna” erfolgreich an. Er ist derzeit Mitglied von “Black Widow [Wi]” und seine Zähne putzt er immer besonders gründlich.





















