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Status des Spiels – 30. Oktober 2006

Interview mit Team Quitter [QQ]

Von Christian Brellisford

Am Ende der Herbstsaison konnten sich die Idiot Savants [iQ] die Krone der Nummer 1 aufsetzen. Der Weg zum Sieg beim Herbst-Turnier war aber ziemlich steinig, denn iQ musste niemand anderen als die an Eins gesetzte Gilde Team Quitter [QQ] besiegen.

QQ wurde bereits vor einiger Zeit unter dem Namen One Hit Quitters aus den Überresten einiger aufgelöster Gilden gegründet. Nach dem die One Hit Quitters ein stabiles Team und eine gute Strategie beisammen hatten, änderten sie den Namen der Gilde vor Beginn der Herbstsaison zu Team Quitter. Es ist ihre feste Absicht, ihre Region (Amerika) bei Guild Wars-Wettkämpfen auf höchstem Niveau zu vertreten.

Ich hatte jetzt die Möglichkeit, mich mit Tommy Equals Ftw, Custodian und Deamon von Team Quitter über ihre Gilde zu unterhalten. Dabei erfuhr ich unter anderem, wie es zur Gründung von QQ kam, was eine Spitzengilde ausmacht, und wie sie ihre vor Kurzem während der Finalrunde der Herbstsaison ausgetragenen Matches gegen iQ erlebt haben.

Was macht ein Spitzenteam aus?

F: Wie habt ihr Jungs euch gefunden und aus wie vielen Mitgliedern besteht eure Gilde?

A: Team Quitter besteht aus neun Mitgliedern, und jeder hat eine unterschiedliche Spielerfahrung: Drei unserer Mitglieder kamen von I Guild I [iGi] zu uns, drei von We Pwn Char [Char], eines von Clan Kgyu [KGYU], eines von Fallen Angels [fA] und ein weiteres unserer Mitglieder beschäftigt sich momentan hauptsächlich mit dem Aufstieg der Helden. Wir kannten uns bereits alle aus zahlreichen GvG-Ranglisten-Matches und hatten schon oft gegeneinander gespielt. Als sich unsere Gilden dann alle mehr oder weniger zur gleichen Zeit auflösten, erschien es uns nur logisch, als eine Gruppe von Freunden mit identischen Zielen einfach eine neue Gilde zu gründen. Und diese Gilde waren die ursprünglichen One Hitter Quitters [QQ]. Nachdem wir in der ersten der “Fun-Seasons” einen ansehnlichen dritten Platz belegt hatten, beschlossen wir, die One Hitter Quitters umzubenennen: Aus ihr wurde dann Team Quitter, da wir wussten, dass wir eine stabile und stark kompetitiv ausgerichtete GvG-Truppe beieinander hatten.

F: Was muss eine Gilde tun, um es in der Guild Wars-Rangliste bis ganz nach oben zu schaffen? Wie oft spielt ihr?

A: Damit es ein Team an die Spitze der Rangliste schaffen kann, muss es ständig aus seinen Fehlern lernen und wissen, welche Strategien den meisten Erfolg versprechen. Ein eher “dickköpfiges” Team, das nur auf einer Strategie beharrt, wird sich niemals verbessern und man wird nur wirklich besser und erfahrener, wenn man so viel spielt, wie nur möglich. Eine stabile Teamaufstellung ist außerdem ein großer Pluspunkt. Es hilft sehr, wenn man im Voraus erahnen kann, wie sich bestimmte Mitglieder des Teams in bestimmten Situationen verhalten werden.

GvG spielen wir normalerweise zwischen drei- bis fünfmal pro Woche, wobei jede Session durchschnittlich drei Stunden dauert. Und was das allgemeine Zusammenspiel als Gilde angeht - wir tun eigentlich fast alles gemeinsam, egal ob es sich dabei um Quests, das Spiel in Arenen, den Aufstieg der Helden oder Bündniskämpfe handelt. An jedem beliebigen Abend findet man immer mindestens fünf Mitglieder in Ventrilo, die irgendwas zusammen unternehmen ... auch wenn es sich nicht um GvG handelt.

F: Während des Herbstturniers habt ihr verschiedene Builds gespielt. Wie viele verschiedene Teambuilds habt ihr euch erarbeitet?

A: In der Vorsaison zu diesem Turnier haben wir uns viel Mühe gegeben, uns mit möglichst vielen unterschiedlichen Spieltechniken und -strategien vertraut zu machen. Wir wussten genau, dass uns Vielseitigkeit schwerer zu schlagen machen würde, da Teams, die nur wenige Builds spielen ziemlich schnell überrumpelt werden können. Während unserer ersten beiden gemeinsamen Spielzeiten konzentrierten wir uns auf zwei Builds, um so schnell wie möglich in der Wertung zu steigen, doch als das Herbst-Turnier angekündigt wurde, haben wir unsere Build-Aktivitäten viel stärker auf das Turnierspiel ausgerichtet.

Dadurch konnten wir unser Spiel an die jeweilige Build des Gegners und die gespielten Karten anpassen und waren dadurch so ziemlich auf alles vorbereitet. Dann hat man natürlich immer noch die Möglichkeit, hier und da ein paar Fertigkeiten auszutauschen und dadurch hoffentlich einen Vorteil gegenüber dem Gegner zu haben. Im Augenblick haben wir fünf Builds zur Auswahl, mit denen wir uns in kompetitiven Turnier- oder Ranglistenspielen ziemlich wohlfühlen.

Das Herbst-Turnier

Team Quitter beendete die reguläre Spielzeit der Herbstsaison auf dem ersten Platz, mit 114 Siegen. Dadurch war die Gilde für das Herbst-Turnier an Nummer 1 gesetzt. Der Höhepunkt dieses Turniers war das Finale zwischen iQ und QQ, das QQ schließlich 2-0 verlor. Tommy und Daemon analysierten die beiden Matches und unterhielten sich darüber, was sie hätten besser machen können.

F: Was haltet ihr von iQ? Habt ihr eure Builds im Hinblick auf das Zusammentreffen mit iQ geändert?

A: iQ ist wahrscheinlich das unheimlichste Team, auf das man in einem Turnier treffen kann. Die meisten anderen Gilden erstellen ihre Builds nach einer Art Vorlage, wodurch sie berechenbarer werden und man für bestimmte Situationen einfach schon gewisse Mechanismen entwickelt hat. IQ hingegen spielt einige ziemlich experimentelle Builds, die sehr stark auf einen bestimmten Zweck oder Moment im Verlauf eines Spiels konzentriert sind. Wenn ihr nur einmal kurz nicht aufpasst kann das euer Team bereits den Sieg kosten.

Als wir erfuhren, dass wir im Finale gegen iQ antreten würden, entschlossen wir uns, mit dem uns vertrautesten Build anzutreten. Wir nahmen Unnatürliches Siegel in unser Arsenal auf, da wir wussten, dass sie einige Geister auf ihrer Seite haben würden. Außerdem nahmen wir noch Eisgefängnis dazu, um aus dem Layout der Nomadeninsel Kapital zu schlagen. Obwohl wir schon irgendwie damit rechneten, hatten wir nicht die geringste Ahnung, wie unglaublich stark ihre Strategie für Sieg oder Tod sein würde.

F: Es schien so, als ob ihr im ersten Spiel vor Beginn von Sieg oder Tod einen Vorteil gegenüber iQ hattet. Was ist dann passiert?

A: iQ hatte unglaublich viele Möglichkeiten, einige unserer Spieler zu neutralisieren und dabei selbst extrem wenig Schaden zu nehmen, wodurch es unglaublich schwer für uns wurde, an der Flaggenstange frühe Kills zu verbuchen. Wir konnten ihre Mönche und den Ritualisten zwar einige Male ausschalten, doch war es uns dabei nicht möglich, größere Vorstöße zu schaffen. Auch der Moralschub, den wir erhielten, reichte nicht aus, um ihrem Team erheblichen Schaden zuzusetzen und in ihren Stützpunkt zu gelangen, um ein paar ihrer NSCs zu töten. Wir wussten, dass wir sie mit unserer Strategie vor der 20 Minuten-Marke überrumpeln werden müssten, da ihre eigene Strategie stark darauf setzte, bis zum Beginn von Sieg oder Tod auf Zeit zu spielen.

Die Kills, die wir an iQs Mönchen und dem Ritualisten zu Beginn des Spiels erzielt hatten, reichten leider nicht aus, um sie zu besiegen. Unser Schicksal war sozusagen mit dem Beginn von Sieg oder Tod besiegelt. Die einzige Möglichkeit, die wir zu diesem Zeitpunkt noch hatten, war, sie in ihren eigenen Stützpunkt zurückzudrängen. Wir konnten ihnen zwar am Tor ihres Stützpunktes einigermaßen gut zusetzen und einige ihrer Spieler ausschalten, doch dann kamen ihre Ritter und Leibwächter ins Spiel. Während des Kampfes im Inneren ihres Stützpunktes hatten sie genügend Unterstützung von ihren NSCs um uns den Rest zu geben ... egal, was wir auch versuchten, sie hatten immer ein Gegenmittel parat. Der NSC-Vorteil war einfach unüberwindbar.

F: Was würdet ihr, im Wissen, dass iQ Glyphe der Opferung/Meteorschauer erneut einsetzen würde, an eurer Strategie ändern und wie würdet ihr auf iQs Pläne im Bezug auf Sieg oder Tod reagieren?

A: Wir haben einen bestimmten, ziemlich dynamischen Spielstil, auf den wir nicht verzichten möchten. Im ersten Spiel versuchten wir, sie zu überrumpeln, doch hatten damit nicht besonders viel Erfolg, da es uns einfach nicht gelang, ihrer Verteidigung in der gegebenen Zeit genug zuzusetzen. Für das zweite Spiel sahen wir dann eigentlich nur zwei mögliche Änderungsmöglichkeiten für unsere Strategie. Die erste Möglichkeit war, Meteorschauer mit ansonsten relativ nutzlosen Fertigkeiten direkt entgegenzuwirken und ein noch defensiveres Build zu spielen. Unsere zweite Möglichkeit bestand darin, einen Split zu spielen, um ihnen ihren Vorteil bei Sieg oder Tod zu nehmen. Diese Möglichkeit bot allerdings kein Mittel gegen Meteorschauer. Leider waren sie durch die sehr defensiven Eigenschaften ihres Build in der Lage, einen ziemlich coolen Gegen-Split zu spielen, um mit unseren Assassinen fertig zu werden. Bei Sieg oder Tod war unser NSC-Vorteil dann nicht groß genug, um für ausgeglichene Verhältnisse zu sorgen.

Was die Zukunft bringt

Team Quitter stehen rosige Zeiten bevor. Der erste Platz auf der Rangliste und der zweite Platz im Herbst-Turnier haben QQ motiviert, noch länger in der kompetitiven Szene aktiv zu bleiben. Team Quitter hofft natürlich, auch auf zukünftigen offiziellen Turnieren vertreten zu sein und sich dabei den einen oder anderen Titel zu erkämpfen. Alle Mitglieder der Gilde freuen sich wahnsinnig auf Guild Wars Nightfall, die damit verbundenen Veränderungen im Metaspiel und die daraus resultierenden neuen Entwicklungen im Allgemeinen. IQ mag Team QQ zwar dieses Mal geschlagen haben, doch Team Quitter gibt sich nicht so schnell geschlagen.

Für kleine Gilden, die trotz ihrer Größe in kompetitiven Spielen erfolgreich sein möchten, hat QQ noch einige Tipps auf Lager: Es ist extrem wichtig, gut organisiert zu sein. Zeitpläne, Voice-Chat, Kommunikation über Foren und/oder andere Kommunikationswege, regelmäßige Spielzeiten und auf Spieler zugeschnittene Rollen im Spiel helfen jedem Team. Team Quitter setzt stark auf Voice-Chat, um während eines Spiels gut organisiert zu bleiben, doch sind sich alle Spieler der Gilde einig, dass die Kommunikation außerhalb des Spiels eigentlich noch viel wichtiger für ihren Erfolg ist. Außerdem solltet ihr euch durch Niederlagen niemals entmutigen lassen und jedes einzelne Spiel dazu nutzen, euren Erfahrungsschatz zu vergrößern. Niemand wird als Experte geboren und erst harte Übung macht den Meister.

Wir bedanken uns bei Tommy, Daemon und Custodian für ihre Zeit und ihre Bereitschaft, uns einen Einblick in die Funktionsweise ihrer Gilde zu geben!

Christian Brellisford ist College-Student und studiert derzeit in Toronto (Ontario, Kanada) Videospiel-Design. Nach seinem Studium möchte er einen Beruf in diesem Bereich ergreifen. Christian spielt schon seit jungen Jahren und beschäftigt sich seit dem “E3 for Everyone"-Event 2004 mit Guild Wars. Zurzeit führt er die Gilde “Spirits of War” an. Im Spiel findet ihr ihn unter dem Namen Saidin Writer.