Finsternis senkt sich über PvP – 6. November 2006

Von Christian Brellisford

Nightfall ist da und nimmt Einfluss auf das PvP-Spiel, denn es bietet eine ganze Menge Änderungen und Verbesserungen. Zwei neue Klassen werden mit Nightfall eingeführt: der speerwerfende Paragon und der sensenschwingende Derwisch. Beide verfügen über eine Menge Fertigkeiten, die den bereits überaus vielseitigen Vorrat von Fertigkeiten noch einmal erweitern und interessante Synergie-Möglichkeiten in Kombination mit bereits vorhandenen Klassen eröffnen. Darüber hinaus haben auch die vorhandenen Klassen eine Reihe neuer Fertigkeiten erhalten und es wurde deutlich an der Ausgewogenheit gefeilt.

Guild Wars wurde mit Nightfall außerdem um Gildenhallen im Elona-Thema erweitert und es gab Funktionalitätsverbesserungen bei der Erstellung von PvP-Charakteren. Zusätzlich wurde der Beobachter-Modus ergänzt und es wurde die Möglichkeit geschaffen, das Setup der Fertigkeiten und Ausrüstung von Charakteren in Vorlagen zu speichern. Die Funktionalitätsverbesserungen wirken sich auch nachträglich auf die bisherigen Guild Wars-Kapitel aus. Das heißt, sogar Spieler ohne Nightfall erhalten einige Vorteile, wodurch die Gesamtzahl der PvP-Spielergemeinde hoffentlich erhöht oder wenigstens gestützt wird.

Die neuen Klassen

Wie auch schon Factions hat Nightfall wieder einmal das GvG-Metaspiel ordentlich durchgeschüttelt. Die neuen Klassen bieten Teams verschiedene Möglichkeiten für den Nahkampf und die Unterstützung. Weil Derwische eine Sense mit Wirkungsbereich-Angriffen verwenden, richten sie bei Teams ohne geeignetes Stellungsspiel schweren Schaden an. Derwische können nicht einfach nur mehrere Gegner mit grundlegenden Sensenangriffen treffen. All ihre anderen Angriffsfertigkeiten und die damit verbundenen Schäden oder Zustandsboni verfügen ebenfalls über einen Wirkungsbereich. Obwohl Derwische im Vergleich mit Kriegern schwach gerüstet sind, verleiht ihnen ihr Primärattribut Überlebensfertigkeiten, indem es ihnen Gesundheit verschafft, wenn die Verzauberungen abklingen. Viele Derwisch-Verzauberungen, wie zum Beispiel “Herz der heiligen Flamme” oder “Staubdecke”, funktionieren in Verbindung mit normalen Angriffen und richten dann zusätzlichen Schaden an oder fügen Zustände zu. Aber das wirklich Einzigartige am Derwisch sind die Gestalten. Gestalten ermöglichen es dem Derwisch, sich in einen Avatar eines der fünf Götterwesen zu verwandeln und mächtige Fähigkeiten zu erhalten, darunter auch Immunität gegen Zustände und Bewegungstemposchübe.

Der Paragon ist die neue Distanzkampf-Klasse in Nightfall. Paragone greifen aus der Entfernung an, indem sie Speere werfen. Ihre Angriffsfertigkeiten sind mit denen von Waldläufern und Kriegern vergleichbar. Anders als Krieger oder Waldläufer unterstützt und stärkt der Paragon allerdings sein Team auch mit Anfeuerungsrufen und Schreien. Diese Stimmfertigkeiten haben defensive oder offensive Eigenschaften und ergänzen das Primärattribut des Paragons, die “Führung”. Das Primärattribut verschafft allen Verbündeten, die unter der Wirkung eines der Anfeuerungsrufe oder Schreie stehen (und dem Paragon selbst), kostenfreie Energie.


“Hymne der Flamme” ist schnell zu einer häufig benutzten Fertigkeit des Paragons geworden. Sie ist nicht nur für PvP-Charaktere standardmäßig freigeschaltet, sondern viele Teams setzen auch Waldläufer und Krieger ein, die laufend Angriffsfertigkeiten nutzen. In diesem Zusammenhang ist “Hymne der Flamme” einfach einzusetzen, während zusätzlich Zustände verursacht werden. Trotz der Wirksamkeit dieser Fertigkeit sind die sich entwickelnden Paragon-Builds nicht immer offensiv. Fertigkeiten wie “Siegel der Verätzung”, “Genesungsrefrain” und “Ballade der Wiederherstellung” können eine solide Unterstützung für das gesamte Team bedeuten.

Das Metaspiel

Bereits jetzt sind neue Trends in der GvG-Landschaft zu erkennen, da Nightfall viele nützliche Fertigkeiten neu eingeführt hat, die von Spielern in ihre Builds eingebaut werden.

Elementarmagier-Flaggenläufer, die bisher “Windgeschwindigkeit” oder “Nebelrüstung” verwendet haben, benutzen jetzt “Eile des Sturm-Djinn”, um sich zulasten eines allmählichen Energieverlusts höhere Geschwindigkeit zu verschaffen. Auch Feuer-Elementarmagier bilden sich allmählich heraus, vor allem dank “Versengende Flammen”, einer Fertigkeit, die hohen Schaden verursacht und überdies eine der längsten “Brennen"-Dauern im Spiel bietet. Außerdem gab es viele Änderungen an der Ausgewogenheit bestehender “Feuermagie"-Fertigkeiten, die deren Schadenswirkung und Nützlichkeit verbessert haben.

Auch der Mesmer hat einige neue Fertigkeiten spendiert bekommen, die man bereits im Einsatz sieht. “Äther-Phantom” ist schnell zu einer häufig benutzten Fertigkeit in vielen Mesmer-Fertigkeitsbalken geworden und “Netz der Störung” richtet bei Charakteren, die gern reichlich Zauber wirken, eine Menge Chaos an. Die neuen Nekromanten-Flüche könnten in Verbindung mit einigen neu ausbalancierten, bereits zuvor vorhandenen Fertigkeiten für ein Wiederbelebung von zauberlastigen Builds sorgen.

Nightfall bringt auch für den stets beliebten Krieger einige neue Ideen ins Spiel. Die Fertigkeit “Ihr seid ganz allein!” hat eine Menge Potenzial für geteilte Builds. Und die Elitefertigkeit “Kopfstoß” könnte in Kombination mit “Pest-Berührung” zukünftig häufiger zu sehen sein.

Mönchen stehen jetzt noch mehr Heilmöglichkeiten zur Verfügung. Angesichts der jüngsten Abwertung von bevorzugten Mönchsfertigkeiten wie zum Beispiel dem Gebrauch von Mesmer-Fertigkeiten zur Energieverwaltung könnten auch diese neuen Möglichkeiten zukünftig häufiger benutzt werden. “Segen des Heilers” ist beispielsweise eine weitere Verzauberung in der Art der seit langem beliebten Fertigkeit “Göttlicher Segen”. Aber “Segen des Heilers” wirkt sich nur auf Heilgebete aus, deshalb bekommen wir vielleicht auch bald reine Heilmönche zu sehen.

Die Funktionalitätsverbesserungen haben ebenfalls Einfluss auf das Metaspiel genommen. Zunächst gibt es jetzt auf dem Bildschirm eine Zeitanzeige für Moralschübe, die Spieler einblenden können, um genau zu erfahren, wie lange es noch bis zu ihrem nächsten Schub dauert. Das ist ein tolles Werkzeug für Flaggenläufer, die bis jetzt ihr Gedächtnis anstrengen und sich die Zeitpunkte für Flaggeneroberungen merken mussten. Mit Hilfe dieser Zeitanzeige können Teams ihr Stellungsspiel in Abhängigkeit von bevorstehenden Moralschüben und Bewegungen des Flaggenläufers koordinieren. Körperblockaden spielen eine noch wichtigere Rolle und können wirksamer eingesetzt werden, wenn man weiß, dass es nur noch 10 Sekunden bis zum nächsten Schub dauert. Es ist immerhin viel schwerer, einen Läufer für 30 Sekunden als für 10 zu blockieren. Einige Teams werden deshalb noch nicht mal einen Gedanken an eine vollständige Blockade verschwenden, bis ein Schub unmittelbar bevorsteht.

Zweitens ist die Möglichkeit zum Rüstungswechsel innerhalb eines PvP-Kampfs unterbunden worden. Deshalb können Teams, die bisher zusätzliche Rüstungssätze verwendet haben, diese nicht mehr für ihre Charaktere anwenden. Das mag zwar nur wie eine kleine Neuerung wirken, aber für die Spitzenteams ist es eine entscheidende Änderung. Der Rüstungswechsel bot neben zusätzlicher Rüstung oder Gesundheit auch die Möglichkeit, den Kopfschutz zu wechseln und damit zusätzliche Attributboni für bestimmte Zauber zu erlangen. Jetzt treten Teams mit einem Rüstungssatz an und sind über die gesamte Partie an ihn gebunden.

Insgesamt bringen die Ausgewogenheitsänderungen für Nightfall und ganz allgemein für Guild Wars so viele Neuerungen, dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis Gilden die potenziellen Auswirkungen für jeden Aspekt des Spiels ausgelotet haben. Aber immerhin ist das PvP-Spiel schon jetzt spannend und neu, weil die Leute verschiedene Möglichkeiten mit den neuen Fertigkeiten und Klassen ausprobieren.

Funktionalitätsverbesserungen

Das Entwicklungsteam hat unser Flehen erhört. Das Spiel bietet ein komplett neues Interface-Element, mit dem PvP-Charaktere jede Art von Gegenstand mit beliebigen Modifikatoren erstellen können, sobald diese freigeschaltet worden sind.

Nachdem ein Spieler einen Standard-PvP-Charakter erstellt hat, kann er im Inventarfenster auf den neuen Bildschirm zugreifen, indem er auf PvP-Ausrüstung klickt oder die Standardtaste J drückt. Der neue Bildschirm gibt dem Spieler die Möglichkeit, Waffen und Rüstung herzustellen und sofort anzulegen bzw. zu führen, um die Erstellung zu beschleunigen. Die neuen Befähigungen ermöglichen die Erstellung bestimmter Gegenstände für reine PvP-Charaktere, die bisher im PvE-Abschnitt des Spiels gefunden werden mussten.

Nightfall hat uns auch das neue Vorlagen-System beschert. Vorlagen wurden häufig verlangt und ermöglichen Spielern jetzt die Speicherung ihrer Fertigkeiten- und Gegenstände-Zusammenstellungen. Um die Vorlagen zu verwalten, klickt ihr einfach in eurem Inventar- oder Fertigkeiten-Bildschirm auf das Disc-Symbol. Vorlagen werden als Textdateien auf der Festplatte gespeichert und während des Spiels können jederzeit verschiedene Vorlagen geladen werden. Man kann sie sogar an andere Spieler weitergeben. Vorlagen bedeuten, dass die Teams weniger Zeit aufwenden müssen, um sich zu treffen und darauf zu warten, bis alle Charaktere passend erstellt wurden. Stattdessen bleibt mehr Zeit zum Spielen. Und das kann ja nur positiv sein.

Jetzt stehen auch mehr Lernmittel für Gilden zur Verfügung, die nicht zu den besten 100 gehören. Man kann sich jetzt unabhängig vom Rang die Spiele seiner eigenen Gilde ansehen. Sie werden im Beobachter-Menü angezeigt und weisen dieselbe 15-Minuten-Verzögerung wie normale Spiele auf. So haben auch geringer eingestufte Gilden die Möglichkeit, sich ihre Spiele anzusehen und so nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Wie man durch den Beobachter-Modus dazulernen kann, erfahrt ihr im vorigen Artikel.


Christian Brellisford studiert gegenwärtig in Toronto, Ontario (Kanada), Videospieldesign und hofft auf eine Karriere in diesem Bereich. Christian spielt schon seit jungen Jahren und beschäftigt sich seit dem “E3 for Everyone"-Event 2004 mit Guild Wars. Zurzeit führt er die Gilde “Spirits of War” an. Im Spiel könnt Ihr ihm unter dem Namen Saidin Writer begegnen.