Spielberichte
iQ vs. EvIL - Halbfinale, 25.08.06
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“Idiot Savants [iQ]” gegen “The Last Pride [EvIL]”
von Joshua Lovejoy
Spiel 1 – Insel der Toten
“Wind lesen”, “Doppelschuss”, “Aura der Verschiebung”. Eines dieser Dinge unterscheidet sich von den anderen. Wer errät, welches es ist? Obwohl EvIL keine Möglichkeit hatte vorherzusehen, dass iQ mit einem Waldläufer-Spike auftreten würde, machten ihre Kartenwahl und der Build mit einem Schwerpunkt auf Teleport sie zu dem am schwierigsten zu treffenden Ziel, das man sich vorstellen kann. EvIL gab sich nicht damit zufrieden, nur herumzuhängen und den Kugeln auszuweichen. Stattdessen zog man schnell und oft in die Hügel. Die Gruppe stürzte sich in den ersten drei Minuten mit zwei Assassinen auf iQs Flaggenläufer und zog schnell in den Stützpunkt, um dort einen Leibwächter auszuschalten.
iQ musste sich an die von ihren koreanischen Gegnern aufgezwungene “Jetzt siehst du mich, jetzt siehst du mich nicht!"-Mentalität anpassen und daher häufig die typische Flaggeneroberung aufgeben, um zusammenzubleiben und Spikes zu landen. Während die Gruppe aber beim Töten von Zielen in der ersten Reihe häufig erfolgreich war, ermöglicht die Insel der Toten so viele Möglichkeiten zum Spiel mit guter Sichtweite, dass EvILs zweite Reihe während der meisten Zeit fast vollständig unversehrt blieb.
Wieder fiel ein Spike einem mobileren und anpassungsfähigeren Build zum Opfer, als EvIL einen Moralschub nach dem anderen erntete und das Spielfeld so weit ausweitete, dass es wie eine Flutwelle war, die auf die Amerikaner einstürzte, als alle acht Spieler zusammenbrachen. Es war kein Lebensretter in Sicht.
Die “Idiot Savants” konnten keine wichtigen Kills landen und verloren schnell an NSC-Grund; man war einfach nicht in der Lage, dem Druck standzuhalten, und brach schließlich in der 18. Minute zum letzten Mal ein. Da iQ sich vollkommen zurückgezogen hatte und versuchte, bis zur nächsten Wiederbelebungszeit durchzuhalten, tat EvIL das, was sie am besten kann – sie setzte auf Strategie. In nur wenigen Sekunden war iQs letzter Leibwächter ausgeschaltet und ihr Gildenherr sollte ihm schnell folgen. Man muss iQ Beifall dafür zollen, dass sie das Überraschungsmoment genutzt hat, aber an EvIL geht etwas mehr Beifall, weil sie dem Zielausrufer das Leben zur Hölle gemacht hat.
Spiel 2 – Jadeinsel
EvIL ging mit einem im Wesentlichen unveränderten Build in das zweite Spiel, aber mit dem interessanten Austausch eines Waldläufer/Assassinen gegen einen Beherrschungsmesmer. Diese erhöhte Mobilität schien dennoch nutzlos zu sein, als die Kartenwahl von iQ offensichtlich wurde: Die Jadeinsel ist eine Karte, die Bewegung und Effektivität von geteilten Teams stärker als jede andere Karte einschränkt. EvIL ließ sich nicht abschrecken, bildete direkt am Startpunkt zwei Viererteams und blieb bei dieser Formation.
In der Zwischenzeit hatte iQ auf ihren äußerst erfolgreichen Build aus dem zweiten Spiel gegen die “Irresistible Blokes” zurückgegriffen, befand sich aber als Reaktion auf EvILs Vormarsch wieder in der Defensive. Genau wie im vorherigen Spiel fand “The Last Pride” die Lücken und nutzte sie voll aus, womit sie die Spieler von iQ in der Unterzahl oder auf dem falschen Fuß antraf und sie dafür bezahlen ließ. Nach vier Minuten war iQ auseinander gerissen, hatte ein paar Verluste hinnehmen müssen, auch eine Hand voll NSCs verloren und die Kontrolle über die Flaggenstange ohne großen Kampf an EvIL übergeben. Nach zehn Minuten hatte sich die Gruppe fest in ihrem Stützpunkt verschanzt und zeigte kein Interesse daran, ihren “Schattenschritt"-verliebten Gegner noch länger über die ganze Karte zu jagen. Man wollte “Sieg oder Tod!”, im wahrsten Sinn des Wortes.
Das folgerichtige Warten auf SoT kam einem eher wie PvE als wie PvP vor und EvIL versuchte erfolglos immer wieder, iQ aus dem Schoß ihres NSC-Kerns zu locken. Man nahm sogar Todesopfer in Kauf, um jemanden zurückschleichen und wiederbeleben zu lassen und vielleicht ein paar mehr NSCs auszuschalten, aber iQ entfernte sich nie weit von ihrer verbleibenden Verteidigung. Die “Idiot Savants” lehnten sich zurück, tranken etwas Zwergenbier und zählten die Minuten, bis sie erneut jenes Ungetüm einer SoT-Strategie für diese spezielle Karte entfesseln konnten.
Als dann aber der Ruf “Sieg oder Tod!” erklang, ging iQ einen unerwarteten Weg und setzte erneut den Gank-Ansturm ein, der sich für sie im bisherigen Turnier als so nützlich erwiesen hatte. EvIL, die losgezogen war, um die verirrten NSCs zu erledigen, wurde von diesem Zug überrascht und zog sich schnell zurück, um ihren Herrn zu verteidigen. iQ hatte auf dem Weg zum gegnerischen Stützpunkt bereits heftigen Schaden durch die Stachelkoralle erlitten und begann den Kampf nicht mit voller Gesundheit. Vermutlich dachte die Gruppe, sie könnte den Gildenherrn mit Schaden übertrumpfen, bevor Mönchsunterstützung eintreffen würde. Aber wenn fast das gesamte Team über “Dunkle Flucht” verfügt und beide Mönche über “Rückkehr”, ist es ganz gewiss eine harte Nuss, irgendetwas an ihnen vorbeizuschmuggeln.
Gleichzeitig entflammten drei verschiedene Schlachten. Es gab einen Kampf 6-gegen-6 im Stützpunkt von EvIL, einen Kampf 2-gegen-2 im Stützpunkt von iQ und einen Kampf NSC-gegen-NSC an der Flaggenstange, wo die verbleibenden Streitkräfte von iQ schließlich beide Leibwächter von “The Last Pride” und einige Bogenschützen ausschalten konnten, bevor sie selbst erledigt wurden. iQs Pech war, dass dies die einzige der laufenden drei Schlachten war, die sich für sie zum Guten wendete. Da die Gruppe gezwungen war, einen Mönch zurückzuhalten, um ihren eigenen Gildenherrn zu verteidigen, konnten die “Idiot Savants” den Schaden während ihres versuchten Ganks nicht heilen und landeten wieder auf dem Startfeld – was weiteres Warten bedeutete. Zurück zu Plan A!
Wenn man sich kurz vor dem Untergang sieht, geht nichts über eine Gildenherrn-Eskorte in Minute 35. Aber es ist besonders außergewöhnlich, wenn man “Glyphe der Opferung” und “Meteorschauer” aufbietet. Rayne machte seinem Namen alle Ehre und hielt die Aggro wie ein Meister. Genau wie gegen iB nutzte er “Wirbelverteidigung”, erhielt eine gesunde Dosis “Peinigung” und lief in die größte Gruppe, die er finden konnte, um Fallen zu legen, während von oben ein “Meteorschauer” herunterregnete. Das bedeutete sofortiges Chaos, jetzt in einem praktischen Set für zu Hause!
Die verbleibenden NSCs von EvIL gingen unter, gefolgt von einer Reihe Kills durch Assassinen. Daraufhin rückte die dem Kampf zugrunde liegende Frage in den Mittelpunkt: Ein Mönch/Assassine mag zwar einen der am schwierigsten zu fassenden Heil-Builds darstellen, den man sich vorstellen kann, aber was geschieht, wenn es keinen Ausweg mehr gibt? EvIL war gezwungen, bei ihrem Gildenherrn zu bleiben und kleine Brötchen zu backen. Es gelang einfach nicht mehr, ihren Herrn mit genug nachhaltiger Heilkraft versorgen. Ohne die typische Mesmer-Sekundärklasse gab es keine Möglichkeit, Energie wiederzuerlangen, und so ging der Gildenherr im seltsamsten aller möglichen Szenarien unter – das ganze Team war noch am Leben und hatte einen großen Moralvorteil.
Spiel 3 – Insel der Toten
Die “Idiot Savants” traten einen Schritt aus der Vordertür, warfen einen Blick auf den Build von “The Last Pride” (exakt die gleiche Darbietung, mit der sie in Spiel 1 aufgetaucht war) und machten auf dem Absatz wieder kehrt. Am Ende von Spiel 2 war EvILs größte Schwäche zur Schau gestellt worden und iQ wollte alles tun, um die Bedingungen wiederherzustellen, die ihr den letzten Sieg verschafft hatten, auch wenn das bedeuten würde, sich 30 Minuten lang in ihrem Stützpunkt zu verkriechen. Moralschübe kamen und gingen, die beiden äußersten Bogenschützen wurden dem Tod überlassen und die Amerikaner saßen ruhig in ihren Stühlen und warteten. iQs Logik war einfach: EvIL sollte die Fähigkeit genommen werden, sich aufzuteilen und irgendeine Art von NSC-Vorteil zu erlangen. Daraufhin hätten die Gegner auch nicht viel in die Waagschale zu werfen, wenn es Zeit für “Sieg oder Tod!” würde, da ihrem Build die pure Gewalt fehlte, über die iQ verfügte. Das sah solide aus und sicherlich war die Geschichte auf ihrer Seite, wenn man den recht tragischen Niedergang berücksichtigt, dem wir auf der Jadeinsel beiwohnen durften. Also warteten wir gemeinsam mit der Gruppe ab.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Publikum verlaufen, da die Show für diesen Tag schon gelaufen war. Ohne laute Musik und drängende Zuschauer, mit wieder eingeschalteter Beleuchtung und nur noch den Teams, die untereinander diskutierten und Dinge erörterten, war das Warten weniger quälend für uns Anwesende. Es war nach der hektischen Aktivität der letzten Tage sogar fast beruhigend.
Sieg oder Tod!
Endlich griffen die Teams an und das wahre Spiel begann. iQ ging mit ihrem neuen Markenzeichen “Wirbelverteidigung” plus “Peinigung” plus “Meteorschauer” ans Werk und machte es EvIL damit auf Anhieb schwer. In einem etwas merkwürdigen Zug blieben Bloodlight und Last of Master zurück. Sie kämpften an der Flaggenstange, obwohl sie (mit “Aura der Verschiebung") über Anker verfügten, die sie sofort in den Gildenherrenraum von iQ befördert und ihre Gegner zur Rückkehr und Verteidigung gezwungen hätten. Stattdessen wendete sich das Spiel. Für iQ begann das Wirkungsbereich-Fest. iQ drängte vorwärts, wobei sie einen Elementarmagier/Mönch als “Gruppe heilen"-Maschine zurückhielt und nur selten locker ließ. In den ersten Minuten von SoT schenkte man der Situation an der Flaggenstange wenig Beachtung und konzentrierte sich vielmehr darauf, sich einen NSC-Vorteil zu verschaffen. Nach einem Tauziehen und Kill um Kill für beide Teams besaß iQ einen einsamen Leibwächter, während EvIL die NSCs ausgegangen waren.
Auftritt: die Gildenherren
Nach 35 Minuten entschied iQ, dass es Zeit für ihren ersten Flaggenlauf im Kampf wäre, und es hätte durchaus der beste werden können, den sie bisher im ganzen Turnier hatten. Rayne hisste mitten im anstürmenden EvIL-Team die Flagge, eroberte den Turm und machte sich daran, die vollkommen unbewachte Zweitflagge von EvIL zurückzubringen. Als die Koreaner reagieren konnten, war es zu spät: iQ hatte sich die Moral gesichert.
Als um die 38-Minuten-Marke ihr Schub kam, hatten die “Idiot Savants” kein “Siegel der Wiederbelebung” mehr und konnten EvIL gerade noch standhalten. Die zusätzliche Gesundheit, neue Siegel und ein echter Moralschub (es gibt nichts, was mit diesem Gefühl mithalten kann) trieben iQ zum nächsten Schritt, einem Schritt ohne Angst oder Zweifel – die Gruppe hatte eine Mission. Man drang vor, nahm Verluste hin, aber man ließ einfach nicht locker. Diese beharrliche Aufrichtigkeit hatte iQ im ganzen Turnier gezeigt und als die Gruppe EvILs Gildenherrn in einem Finale, das man nur als episch beschreiben kann, den Garaus machte, fühlte es sich für alle Zeugen wirklich wie das Ende einer Ära an.
An einem Punkt hatten Soul Wedding und Only One Star so wenig Energie, dass Soul Wedding schrie, man solle ihn sterben lassen, damit er mit etwas mehr Energie wiederbelebt werden konnte. Wieder konnte EvIL ohne Möglichkeit, die verbrauchte Energie zurückzuholen, nicht mit dem Schaden von iQ mithalten. Ihr Gildenherr fiel und die Amerikaner waren siegreich, sogar nach einem Moralschub für EvIL und nachdem zwei Mitglieder von iQ, darunter ein Mönch, sterbend auf dem Boden der Gildenhalle lagen! Die Gruppe agierte wie eine Person und räumte auf, während die Mitglieder von EvIL nur dasaßen und ungläubig auf ihre Monitore starrten. Die “Idiot Savants” hatten es ins Finale geschafft und “The Last Pride” musste die erste Niederlage bei einem Meisterschaftsturnier hinnehmen. Was für ein Tag!





















