Spielberichte

EW vs. Te - 25.08.06

"Esoteric Warriors [EW]” gegen “Treacherous Empire [Te]”: Spiel 1 – Insel des Kriegers

Letzten Endes läuft es auf eines hinaus: Turnierspiele leben und sterben im “Sieg oder Tod!”, und in der Regel geht dasjenige Team als Sieger aus dem Match hervor, das während dieser entscheidenden Phase kurz vor dem Ende die richtigen Züge ausführt. Vom ersten Zusammenstoß der beiden Teams an war es offensichtlich, dass Spiel 1 auf SoT hinauslaufen würde, und man könnte durchaus anführen, dass die Te-Teammitglieder in dieser speziellen Phase die Aggressoren waren (wegen ihrer Anstrengung, die Flagge während des gesamten Spiels doppelt zu erobern), was ihnen beim Ablauf des 30-minütigen Blutbades den Anschein eines Vorteils verschafft hatte. Doch dieses Spiel strich wie ein verschwommenes Bild vorüber, und als ich wieder klar sehen konnte, fand ich mich als Schuldiger auf frischer Tat ertappt.

Beide Teams hatten die Dampfwalze zu Hause vergessen und sich stattdessen für die Verlässlichkeit ihrer Build-Strukturen entschieden, weshalb das Metaspiel innerhalb des Matches pointiert und vertraut war: Es ging ums Krieger-Ausschalten. Dem Mönch-Team von “Treacherous Empire” gebührt in diesem Spiel die gesamte Anerkennung, weil es einen Ansturm von Degenerationszaubern durch einen Nekro, Illusionsmesmer und Verkrüppelungs-Schuss-Waldläufer standhielt und dabei nur wenige Verluste erlitt, bevor SoT zuschlug. Andererseits sind die “Esoteric Warriors” während des gesamten Kampfs so gut wie verschont geblieben, in erster Linie, weil ihre Krieger-Hass-Verhexungen ("Schatten der Angst”, “Rücksichtslose Hast” und “Mutlosigkeit” werden lange genug zum Ausschalten gewirkt) nicht rechtzeitig unterbrochen wurden.

Paladin und “Bob the Angry”, die während des gesamten Kampfs kaum jemandem Schläge verpassen konnten und himmelweit von einer normalen Angriffsrate entfernt waren, muss es 30 Minuten lang so vorgekommen sein, als kämpften sie gegen eine Betonmauer. Wegen dieses gehinderten Kriegerduos waren die berühmten Mönchvorstöße von Te, die unter technischem Gesichtspunkt außerordentlich gut ausgeführt wurden, beinahe komplett verschwendet.

Als es zum SoT kam, unternahmen beide Seiten ungehinderte Vorstöße zum Katapult der jeweiligen Gegenseite, in der Hoffnung, die Pattsituation mit einem Schuss Glück zu durchbrechen. Te schlug zuerst zu, streckte einen Leibwächter nieder und konnte anschließend lange genug ausharren, um sich auch noch den zweiten Leibwächter vorzuknöpfen. In der Zwischenzeit hatte EW bei ihrer einzigen Chance zum Aufräumen des Spielfelds Pech, denn Acid machte sich ganz allein auf den Weg und konnte das Katapult nur kurze Zeit abfeuern, bevor er aufgespürt und aus dem Weg geräumt wurde.

Gank-Zeit.

Kaum hatte sich EW mit acht Mann komplett versammelt, stieß dir Gruppe auch schon direkt zur Hintertür von Te vor. Kurz vor der 35. Minute schien den Amerikanern der Sieg schon so gut wie sicher. “Treacherous Empire” sah sich in ihrem eigenen Stützpunkt frontal angegriffen und musste lediglich einige Minuten durchhalten, während der Gildenherr von EW vergeblich zur Flaggenstange spazierte. Dabei hatte er angesichts der massiven NSC-Armee von “Treacherous Empire” den sicheren Tod vor Augen.

In flagranti geschnappt – oh welch Ahnungslosigkeit! “Bob the Angry” verließ das Team und machte sich auf zum Gildenherrn. Doch als er bei der Flaggenstange ankam und wartete, blieb der Gildenherr von EW einfach bewegungslos stehen. Es herrscht Verwirrung. Nach dem Match klärte mich Izzy auf, dass keiner der Gildenherrn zur Mitte vorstößt, bevor sein jeweiliger Doppelgänger nicht eine bestimmte Markierung vor dem jeweiligen Stützpunkt erreicht hat. Während sich also der Gildenherr von “Treacherous Empire” in seinem eigenen Stützpunkt festgekämpft hatte, drehte der Gildenherr von EW zufrieden Däumchen und gähnte. Bob rückte vor und rief nach Verstärkung, um dem Spiel ein Ende zu bereiten, doch die Verstärkung kam nicht. Es ging kein Ruf hinaus, es traf keine Unterstützung ein und die ganze Zeit über war Te beschäftigt, den Kampf in ihrem eigenen Stützpunkt zu verlieren. “Treacherous Empire” hatte die Wahl, entweder 8-gegen-8 zu kämpfen oder zwei Krieger loszuschicken, um den Gildenherrn zu erledigen – die Gruppe traf aber weder die eine noch die andere Entscheidung und ist letzten Endes deswegen gescheitert.

Die überwiegende Zeit des Kampfes hatte EW mindestens einen Krieger weniger, weil die Gilde versuchte, mit dem Flaggeneroberungsangriff von “Treacherous Empire” mitzuhalten. So konnte es dazu kommen, dass “Treacherous Empire” den von ihrem Gegner ausgeteilten Schaden schlicht und einfach unterschätzte, als der Gank voll zuschlug. So oder so hat sich “Treacherous Empire” selbst geschadet, weil sie mit Bobs Abgang Schaden verlor. Anschließend schadete sie sich ein weiteres Mal, indem sie ihm bei der Aufgabe, den Gildenherrn zu töten, keine Unterstützung bot.

Spiel 2 – Nomadeninsel

Spiel 1 war ein Musterbeispiel für das Scheitern in letzter Minute und für die verpassten Chancen von Te. Spiel 2 dagegen stellt in Hinblick auf Entscheidungen in der kritischen Phase vor dem Ende des Spiels das absolute Gegenteil dar. Dieser Schlussphase war natürlich eine halbe Stunde vorausgegangen, in der optimale Voraussetzungen für SoT-Heldentaten geschaffen wurden. Dennoch waren es die Entscheidungen in letzter Minute, die in diesem Spiel den Ausschlag für den Sieg gaben.

“Treacherous Empire” und EW zogen mit verblüffend ungleichen Strategien in den Kampf. Was die “Esoteric Warriors” betrifft, so wollten sie ihre Führung behaupten und ihren konservativen, von RenO abgekupferten Spike-Build spielen – in der Hoffnung, damit dank der Unterstützung ihrer Ritualisten und Spikes an vergangene “Sieg oder Tod!"-Erfolge anknüpfen zu können. Auf der anderen Seite nahmen die Mitglieder von Te ihre Turnierleben in die Hand und aktivierten ihren kaum bewährten Ranglisten-Build der letzten Saison, der eine Gank-Bedrohung aus Illusionsmesmer und Assassine in Verbindung mit einem solide defensiven Flaggenstangen-Team ins Feld führt.

Von Anfang an machte sich Te daran, ihre europäischen Gegenspieler zu trennen, während sie selbst durch ziemlich seltene Angriffe des Todes-Spikes überlebte. Elendars Ritualist brachte Sheeps Fähigkeit, Bogenschützen auf der Befestigungsanlage des Stützpunkts der “Esoteric Warriors” abzuschießen, völlig durcheinander und erzwang eine flexible und angepasste Reaktion der restlichen Te-Teammitgliedern. Die richteten ihre Stellungen zur Zangenformation aus, schlossen die “Esoteric Warriors” ein und bereiteten damit den Versuchen der “Esoteric Warriors” ein Ende, Flaggen zur Stange zu bringen. Kills kamen auf beiden Seiten so gut wie gar nicht vor, da die Art der Aufstellung und das Moral-Missverhältnis erneut zu einer vollkommenen Pattsituation führten. EW war zufrieden, ihren Ritualisten über dem Rest des Teams (und zum größten Teil fern von jedem Übel) aufzustellen, während es den Teammitgliedern von “Treacherous Empire” praktisch gelang, dank der Erhöhung ihrer Lebenspunkte und Energiereserven (die Nomadeninsel frisst Eure Energie!) den Fluss der Karte zu diktieren. Außerdem sollte die beständige Gank-Bedrohung EW für einen Flaggenvorstoß aus ihrem Stützpunkt treiben.

Kurz vor SoT machte Te den entscheidenden Zug und nahm Anpassungen vor. Sheep ordnete seine Zangenstruktur neu, um den “Verkrüppelungs-Schuss"-Waldläufer von Trex zusammen mit dem Assassinen einzubauen. Außerdem schickte er Bobs Mesmer nach unten zum Hauptteam zurück, wodurch es ihm gelang, beide Leibwächter der “Esoteric Warriors” von ihrem Weg zur Flaggenstange abzubringen. Kalt erwischt konnte EW nur noch zusehen, wie jeweils im Alleingang Trex den einen und Sheep den anderen Wächter ausschaltete. Im anschließenden Vorstoß trafen Awowa und Bob auf Unterstützung in Gestalt des Gank-Teams und rückten gemeinsam zum Gildenherrn von EW vor. Die Streiter von Te waren zum völligen Rückzug und zur Unterstützung gezwungen, kamen zum ersten Mal in diesem Spiel ebenfalls zusammen und spielten ganz einfach so lange auf Zeit, bis die Gildenherren in der 35. Minute in die Mitte rückten. Sie hatten ihre Lektion aus dem vorausgegangenen Spiel gelernt, achteten sorgfältig darauf, dass die Gildenherren ihre “Markierungen” fanden, womit sie das Match stilvoll beendeten und ein drittes und letztes Spiel erzwangen.

Spiel 3 – Brennende Insel

Ein zusätzlicher Vorteil/Nachteil von Live-Turnierspielen ist die Möglichkeit, einen Seitenblick in die Gildenhalle des Gegners und manchmal sogar auf seinen Build werfen zu können, bevor das Match beginnt. Vor diesem Hintergrund bot dieses Spiel Wahnwitz in letzter Minute und eine ganze Reihe von psychologischen Spielchen. Die Teammitglieder von EW kamen in ihrer Gildenhalle mit einem “normalen” Build zusammen. Kurz bevor man die Herausforderung durch “Treacherous Empire” annahm, meldete man sich ab und wieder an, und alle waren für den “Schmaus der Verdorbenheit"-Spike gerüstet. Doch durch irgendeine fabelhafte Enthüllung oder vielleicht auch nur durch pures Glück nahm Kriegar von “Treacherous Empire” in letzter Minute seinen eigenen Wechsel vor: “Schrei der Frustration”.

Eine der grundlegenden Strategien beim Kampf gegen einen Spike bestand von jeher darin, so oft wie möglich für Wechsel der Konzentration und der Richtung der gegnerischen Gilde zu sorgen, damit sie aus dem Rhythmus kommt und nicht in Ruhe stillstehen und spiken kann. Der Plan von Te schien von Anfang an darin zu bestehen, den Köder zu spielen und zu wechseln, und das hätte gar nicht besser klappen können ... “Eisboden” allerdings hat der Sache von EW kaum geholfen.

EW rückte zu den Wachen der verfluchten Flamme vor, wähnte das Team von “Treacherous Empire” auf dem Rückzug und unternahm einen raschen Vorstoß, bei dem sie die Bogenschützen der Befestigungsanlage problemlos durch Spiking zur Strecke brachte. Doch als die Leibwächter aggressiv wurden und Te zurückkehrte, machten die “Esoteric Warriors” den vielleicht verhängnisvollsten Fehler, den man sich vorstellen kann – sie platzierten trotz einer entschieden schwachen taktischen Position “Eisboden” und konnten aus diesem Grund ihre gefallenen Teammitglieder nicht wiederbeleben. Strudel und Feuerbälle verliehen dem eh schon gefährlichen Schaden, den Te anrichtete, einen zusätzlichen Schub und die Amerikaner gaben noch mehr Gas, als sie die “Esoteric Warriors” durch die Lava zurückdrängten. Als die ersten acht Minuten vorbei waren, hatte Te die erste Wache getötet, ein beinahe vollkommen ausgelöschtes Team der “Esoteric Warriors” in die Flucht geschlagen, die Flaggenstange fest in der Hand und einen Leibwächter eliminiert, kurz bevor die “Esoteric Warriors” in ihrem Stützpunkt wiederbelebt wurden. Doch wie wir wissen, wurde in diesem Spiel nicht abgewartet.

Andrew “Trex” Miller hatte während der Wende des Spielverlaufs weiterhin die zweite Wache bearbeitet und bezog auf einer Position Stellung, in der er für die verbleibenden NSCs der “Esoteric Warriors” eine ständige Bedrohung darstellte. Wieder einmal bewies sich der Leitsatz: Lenk die Konzentration eines Spike-Teams ab und das Team kommt mit Sicherheit ins Schwitzen. Die “Esoteric Warriors” saßen fest zwischen dem Versuch zu spiken, Bemühungen um die Eroberung der Flagge und Anstrengungen zur Rettung ihrer verbleibenden Bogenschützen. Sie eilten hin und her, konnten letzten Endes aber doch nicht Schritt halten.

“Schrei der Frustration” war an diesem Tag bestimmt das wertvollste Element im Spiel. Te stand während dieses Matches dermaßen oft auf der Schwelle zur Katastrophe, konnte aber dank der rechtzeitigen Unterbrechungen fast jedes Mal entkommen. Das Flaggenstangen-Team verschaffte Trex genug Zeit, seinen Zauber zu wirken, und ich nehme alle verbalen Prügel zurück, mit denen ich ihn nach dem Verlust in Spiel 1 überschüttet haben mag. Stattdessen muss ich jetzt seine Effizienz und Effektivität im Stützpunkt der “Esoteric Warriors” loben.

Als SoT immer näher rückte, gab Te noch einmal alles, um das Match zu verzögern, zu unterbrechen und um Schaden auszuteilen. Man hegte die Sorge, im beengten Korridor an der Flaggenstange kämpfen zu müssen und dabei womöglich alle NSCs in einem “Schmaus der Verdorbenheit"-Spike zu verlieren. Deshalb versuchte die Gruppe, den Kampf an den Fuß des Stützpunkts der “Esoteric Warrior” zu verlagern. Doch es war schwierig, mit dem Schaden, den Degenerationszaubern und den Verhexungen Schritt zu halten und letzten Endes fiel Te zur Unterstützung ihrer NSCs zurück. An dieser Stelle begann daraufhin der Endkampf.

Die letzten fünf Minuten boten einen umwerfenden Anblick. Ich preschte aus dem Kontrollraum zum Bühnenbereich, begierig darauf, dieses Match aus erster Hand zu erleben. In der Menge brodelte es. Rufe ertönten und begleiteten jeden erfolgreichen Spike der “Esoteric Warriors” mit Jubel, doch die Europäer hatten ordentlich zu tun. Ich stellte mich neben Leo “Kriegar” Cheng, der konzentriert auf seinen Bildschirm starrte und auf den nächsten “Schmaus der Verdorbenheit"-Spike wartete, damit er “Schrei der Frustration” und “Orkan” verwenden könnte. Te überlebte mit knapper Not eine Reihe von Spikes, schlug aber jedes Mal härter zurück und erzwang sich ihren Weg ins Gewimmel der Nekro-Gruppen. Urplötzlich fing es daraufhin an, Kills zu regnen. “SCHADEN PRO SEKUNDE AUF DEN GILDENHERRN”, rief Kriegar, und der gesamte Schaden richtete sich auf den Gildenherrn der “Esoteric Warriors”, was diese dazu zwang, in den vollen Heilungsmodus umzuschalten. Nachdem Te die Konzentration ihres Gegners wieder einmal abgelenkt hatte, schlug die Gruppe mit einer entscheidenden Reihe von Kills zu, während sie weiterhin beständig Druck auf den Gildenherrn ausübte. Die Menge schrie vor Vorfreude auf, die deutschen Kommentatoren riefen laut (das ist dort nicht weiter ungewöhnlich) und Te flippte auf offener Bühne aus. “Treacherous Empire” gab einem phantastisch gespieltem Spiel den letzten Schliff und ihre Mitglieder fielen einander entzückt in die Arme. Irgendwie hatten es beide amerikanische Teams in die zweite Runde geschafft – wer hätte das gedacht?